IFIM - NEWS 09 / 2010
- Alltagstheorien statt Benchmarking
- Kurzmeldungen: Krisenvorsorgeliste des AA, ZfT unter neuer Leitung u.a.
- Seminartermine im August, September und Oktober 2010
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Alltagstheorien statt Benchmarking
In der Zeitschrift Personalwirtschaft berichtete Frau Prof. Dr. Parissa Haghirian (1) kürzlich von einem deutschen Auslandsmitarbeiter in Japan, der stolz war, nach dreijährigen Verhandlungen endlich den ersten größeren Auftrag für sein Unternehmen erhalten zu haben. Der Witz der Geschichte: Seine japanischen Partner waren von Anfang an von dem Produkt seines Unternehmens überzeugt, aber das Vorgehen des Deutschen machte sie misstrauisch. Erst nachdem genügend Zeit verstrichen war, um zu erkennen, dass der Deutsche trotz seines den japanischen Partnern das Gegenteil suggerierenden Verhaltens ein zuverlässiger und aufrichtiger Partner sein könnte und nachdem er in sein Verhaltensrepertoire auch ein Minimum an 'japanischen Vorgehensweisen' integriert hatte, erteilten sie den Auftrag.
Warum, so fragt die Frau Professor, gilt dieser Expat nun in seinem Unternehmen als erfolgreich? Er hat doch objektiv erheblichen Schaden verursacht!
Beim IFIM kennen wir viele solche Geschichten: Da war der große deutsche Automobilhersteller, der in Mexiko Produkte von lausiger Qualität herstellte. Was selbstverständlich auch in der Konzernzentrale bekannt war, aber jeder wusste doch: Mehr ist in Mexiko nicht 'drin'! Erst als Womack et. al.(2) mit ihrer Studie detailliert nachwiesen, dass eines der besten Automobilwerke der Welt in Mexiko stand, das allerdings einem amerikanischen, nicht deutschen Hersteller gehörte, wurde diese konzernweite 'Alltagstheorie' in Frage gestellt. Und siehe: Das Undenkbare wurde möglich: Seit vielen Jahren produziert der deutsche Konzern nun auch in Mexiko in Weltmarktqualität! Noch eine Geschichte? Da war der deutsche Autoradiohersteller, der einen Produktionsstandort in Malaysia errichtet hatte. Leider waren die dort gefertigten Produkte so fehlerhaft, dass jedes einzelne in Deutschland getestet werden musste, wobei ein nicht unbeträchtlicher Anteil in den Müll wanderte. Nun, was wollen Sie? Wenn man mit ungebildeten Bauern in Malaysia produzieren muss, kann man schließlich keine 'Made-in-Germany-Qualität' erwarten! Und 'irgendwie' rechnete sich das Investment in Malaysia trotz der deutschen Nacharbeit und der hohen Ausschussraten ja doch. Doch dann baute Panasonic in Sichtweite des deutschen Werkes in Malaysia auch eines in dem Autoradios hergestellt wurden. Und belieferte den Weltmarkt direkt mit malaysischen Produkten, ohne dass der Ruf des Unternehmens Schaden nahm. Jetzt wollten es die deutschen Tüftler natürlich auch wissen! Und mit ein bisschen Unterstützung durch interkulturelle Experten fanden die Verantwortlichen recht schnell heraus, wie man in Malaysia weltmarktfähige Produkte herstellt. Inzwischen wird im gleichen Werk Spitzenqualität für den Weltmarkt nicht nur produziert, die Produkte werden heute auch dort entwickelt. |
Produktion in Mexiko
Autoradios aus Malysia |