
- Sagt man eigentlich Malaien oder Malaysier?
- Expatriate Explorer Studie 2011
- Life Achievment Award für Geert Hofstede
- Das Jahr des Wasserdrachen hat begonnen
- Tipp: 17. Filmfestival Türkei / Deutschland von 01.-11. März in Nürnberg
- Seminartermine im Februar, März und April 2012
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Sagt man eigentlich Malaien oder Malaysier?
Malaysia und Singapur erfreuen sich derzeit bei der deutschen Industrie großer Beliebtheit! Wer die Meldungen der Wirtschaftspresse der letzten Monate verfolgte, kam nicht umhin, eine auffällige Häufung von Investitionen in diese beiden, doch relativ kleinen Ländern zu beobachten. Nachdem schon in den letzten Jahren im Rahmen des Solarenergie-Booms zahlreiche deutschsprachige Firmen dort Produktions- und Entwicklungsstandorte aufgebaut hatten, begann in den vergangenen Monaten eine Serie ungewöhnlicher Großinvestitionen deutscher Konzerne.
Den Auftakt machten in Malaysia die Firmen Infineon mit einem 160 Millionen Euro Investment und Bosch, über deren 520-Millionen-Solarprojekt im Juni berichtet wurde. Es folgten in Singapur Lanxess mit einem 200-Millionen-Kautschukwerk und Evonik mit einer Aminosäureanlage, die sogar 500 Millionen Euro kosten soll. Kurz vor Weihnachten legte dann VW mit der Ankündigung einer Großinvestition beim malaysischen Autobauer Proton nach. Die Großkonzerne scheinen also derzeit besonders große Hoffnungen auf die malaiische Halbinsel als Produktionsstandort zu setzen. Man kann folglich davon ausgehen, dass Ihnen schon bald zahlreiche mittelständische Unternehmen nicht nur als Zulieferer folgen werden. Allein in dem Stadtstadt Singapur sind mittlerweile etwa 1200 deutsche Firmen ansässig, die dort nach Angaben der KfW 8 Milliarden Euro investiert haben. Doch soll es in unserem aktuellen Beitrag nicht um das Verkünden von Investitionssummen und Großaufträgen gehen. | Bosch-Werk in Penang, Malaysia |
Auch wir beim IFIM bemerken seit Monaten eine steigende Nachfrage nach Seminar- und Beratungsleistungen für diese Region. Dennoch erstaunt uns immer wieder ein geradezu dramatisches Missverhältnis: während man in vielen Firmen bereit ist, in Ländern Südostasiens gewaltige Neuinvestitionen zu tätigen, wird bei der Vorbereitung der Mitarbeiter, die dort tätig werden sollen, derzeit gerne der Rotstift angesetzt. Natürlich ist den meisten Chefs und jedem Personalentwickler klar, dass zukünftige Führungskräfte, die ins Ausland entsandt werden und die dort einen Standortaufbau begleiten oder Projekte erfolgreich durchführen sollen, dazu Wissen über die lokalen Rahmenbedingungen brauchen. Wissen also, das weit über die reine Umzugslogistik (Zollbestimmungen, Wohnungsmarkt, Gesundheitsversorgung, Schulen etc...) hinaus und in den Arbeitsbereich hinein geht: wie in anderen Ländern etwa Mitarbeiter ausgebildet, Meetings abgehalten oder Verhandlungen geführt werden, kann schon stark von den mitteleuropäischen Gepflogenheiten abweichen. Gerade in der vorgestellten Region wird dieser Aspekt aber häufig unterschätzt. "Malaysia ist ja nicht China", heißt es dann, fürsorglich ergänzt durch: "… da kommen sie mit Englisch prima zurecht." Und zu Singapur merkt der weitgereiste Chef dann gerne an, dass es dort zuginge wie in der Schweiz und dass das eigentlich eher "Asien light" sei. Warum also Geld und Zeit in die interkulturelle Vorbereitung der zu entsendenden Mitarbeiter investieren?
IFIM-Trainer Dr. Rolf Daufenbach in Malaysia | Womit wir schließlich bei der Überschrift dieses Artikels wären. Den IFIM-Südostasientrainern wird die Frage, ob man die Menschen in Malaysia nun als Malaien oder Malaysier bezeichnet, nämlich in in fast jedem Südostasien-Training gestellt. Nun ist es weiß Gott keine Bildungslücke, die korrekte Antwort auf diese Frage nicht zu kennen. Bemerkenswert ist nur, dass die, die da fragen, die Region häufig zu kennen glauben, also durchaus auch von solchen Teilnehmern, die schon länger im Projektgeschäft in dieser Region tätig sind und wiederholt vor Ort auf Dienstreise waren, zumindestens aber einen so genannten "Look & See-Trip" absolviert haben, um den Standort auf Lebenstauglichkeit zu überprüfen. Auch eine Wirtschaftsjournalistin, die uns kürzlich anrief, weil sie einen Artikel über die deutschen Aktivitäten in Südostasien schrieb, wollte mal eben wissen, was denn nun korrekt sei: Malaien oder Malaysier? Als IFIM-Trainer Daufenbach, der lange in der Region gelebt und gearbeitet hat, antwortete, dass beide Bezeichnungen verwendet würden und eine genauere Antwort einiger Erklärungen bedürfe, reagierte sie zunächst ungeduldig. |
Diese Ignoranz ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch: Sie verweist weniger auf geopolitische Wissenslücken, als auf die in Zeiten der Globalisierung überraschend geringe Bereitschaft, sich mit lokalen Details auseinanderzusetzen und – im Falle der Unternehmen - das Wissen um diese Details als relevant für die eigenen Aktivitäten zu erkennen und zu bewerten. Im Google-Zeitalter erwartet der Fragende schnelle Informationen auf Knopfdruck und wenn man sie nicht erhält, begnügt man sich halt mit Halbwissen. Vermittler von kulturbezogenen Informationen stehen daher ständig unter Kompressionsdruck: machen sie's bitte kurz, so viel Zeit haben wir nicht, heißt häufig die Anforderung der anfragenden Personalabteilungen! Gefragt ist der schnelle Input oder das interkulturelle Kompaktseminar.
Noch einmal: wir wollen natürlich hier keine individuellen Wissenslücken anprangern, im Gegenteil, unsere Trainer freuen sich über Teilnehmerfragen, weil sie das Seminar interaktiv und damit lebendig machen. Aber ein wenig Raum, für eine brauchbare Antwort muss schon sein, damit der Fragende etwas damit anfangen kann. Und da wir schließlich auch unterschiedliche Kundenerwartungen befriedigen wollen, kommt jetzt für alle die, die sich die Zeit genommen haben, diesen Artikel bis hierher zu lesen, sowohl die schnelle Antwort, als auch die ausführlichere Erklärung: "Malaien" bezeichnen eine Ethnie, "Malaysier" sind die Bürger des Staates Malaysia.
Als 1957 British Malaya in die Unabhängigkeit entlassen wurde, nannte man den neuen Staat Malaysia. Singapur war ein Teil dieses Staates, was man noch an der Endung "sia" erkennen kann. Nur die Hälfte der damals dort lebenden Menschen waren Ureinwohner, hatten also schon seit Jahrhunderten dort gelebt. Diese Bevölkerungsgruppe ist überwiegend moslemisch und wird als Malaien bezeichnet. Die andere Bevölkerungshälfte bildeten ethnische Chinesen (meist Buddhisten) und Inder (meist Hindus), die als Nachkommen von Flüchtlingen, Händlern oder als Gastarbeiter in die Region gekommen waren. Seit Singapur 1965 unabhängig wurde leben also in beiden Staaten Chinesen, Inder und Malaien. Bei letzteren hängt es also von der Staatangehörigkeit ab, ob man sie als "Malaysier" und / oder "Malaien" bezeichnet. | ![]() |
Von daher tut man gut daran, sich mit diesen und vielen anderen Fragen detaillierter auseinander zu setzen, wenn man sich in der Region engagieren möchte. Genau das empfehlen wir den deutschen Groß- und Kleininvestoren, damit ihre südostasiatischen Projekte von Erfolg gekrönt werden!
Hier unser Trainingsangebot zu Malaysia und Singapur:
http://www.ifim.de/seminare/regio/asien/malaysia/