Antworten auf häufig gestellte Fragen


Was versteht man eigentlich unter....

  1. Kultur ... ?
  2. Subkultur, Unternehmenskultur ... ?
  3. Kulturstandards?
  4. Interkultureller Kompetenz?
  5. Interkulturellem Management?
  6. Kulturschock?

Was versteht man eigentlich unter "Kultur" ?

Gemeinsam ist allen Kulturen, dass sie für die mit dem Überleben und Zusammenleben ihrer Mitglieder verbundenen Fragen und Probleme jeweils spezifische, ihrer Umwelt und ihren Lebensbedingungen entsprechende Lösungen entwickeln müssen:

Problem Nr. 1: Wie sichern wir das materielle Überleben unserer Gesellschaft?
Problem Nr. 2: Wie sichern wir das friedliche Zusammenleben der Mitglieder unserer Gesellschaft? Was ist erwünschtes, was erlaubtes und was verbotenes Verhalten? Welche Führungs- und Entscheidungsstrukturen akzeptieren wir? Wie gestalten wir "soziale Rollen" aus?
Problem Nr. 3: Wie erklären, begründen und legitimieren wir  die unter 1) und 2) gefundenen Lösungen? Wie schaffen wir Akzeptanz und Identifikation?

Damit kann "Kultur" in drei Aspekte unterteilt werden:

 Kultur erscheint damit als

"... die erlernte, d.h. mit Hilfe der bereits integrierten Mitglieder einer Kultur enkulturisierte Lebensweise einer historisch bestimmten und bestimmbaren Gesellschaft, die sich von allen anderen in ihrem kulturellen Gesamtmuster, ihrer kulturellen Konfiguration, unterscheidet und gerade dadurch als "eine Kultur", d.h. als etwas Eigenständiges definiert werden kann." (Fend)

Kulturen sind bei alledem keinesfalls statisch, sondern verändern sich ständig durch die Auseinandersetzung mit Einflüssen von außen (Fremdkulturen) und innen (Subkulturen).

Hieraus lassen sich für Kulturanalysen und Kulturvergleiche drei fundamentale Aspekte ableiten

1. Kultur kann als "eine Kultur" in ihrem sozio-geographischen und sozio-historischen Rahmen als besonderes konfiguratives Muster des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Verhaltens definiert werden, das die Antwort einer Gesellschaft auf ihre Umweltbedingungen und ihre spezifische Lebensweise beinhaltet.

2. Kultur kann zugleich aus historisch-anthropologischer und pädagogischer Sicht als historisch-gesellschaftlicher Gesamtprozess menschlicher Umweltaneignung definiert werden.

3. Kultur kann darüber hinaus als Fähigkeit des Menschen definiert werden, kulturell zu handeln, d.h. Umwelt und menschliches Verhalten in dieser Umwelt gestaltend zu verändern und sich in einem Lernvorgang anzueignen.

Zurück zum Anfang
Zur Gesamtübersicht

Was versteht man eigentlich unter "Subkultur" und "Unternehmenskultur" ?

kennzeichnet die "interne Differenzierung" einer Kultur, die primär nach soziologischen Kriterien von Alter und sozialer Schicht erfolgt. Je differenzierter und pluralistischer eine Gesellschaft sich ökonomisch und politisch entwickelt, je vielfältiger und unterschiedlicher sich die sozialen Rollen in einer Gesellschaft entfalten, desto breiter wird i.d.R. das Spektrum an Subkulturen, die teilspezifische Antworten auf ihre teilunterschiedlichen Lebensbedingungen entwickeln (müssen).

Subkulturen sind folglich "gruppenspezifische Varianten" innerhalb einer komplexen und differenzierten Kultur, welche das gemeinsame "Fundament" bildet. "Subkultur" ist ohne "Gesamtkultur" nicht denkbar, denn sie ist lediglich eine gruppenspezifische Ausprägung ein und derselben Kultur auch dann, wenn sie in partieller Negation und Ablehnung ("Anti-Haltung") zur umgebenden Kultur steht.

Subkulturen beschleunigen jedoch den Kulturwandel und Gesellschaftswandel und verändern damit die Entwicklungsdynamik einer Kultur. Deshalb stellen Subkulturen meist eine "Zeiterscheinung" dar: sie sind eher "kurzlebig" und / oder oft nur für einen bestimmten Lebensabschnitt prägend.

Unternehmenskultur

ist zunächst nichts anderes, als eine spezifische Form von Subkultur. Denn kein Unternehmen kann sich erlauben, sich aus der sie umgebenden Kultur und Gesellschaft auszugrenzen. Unternehmen orientieren sich im Gegenteil sehr stark an den "dominanten Kulturelementen" und wählen aus diesen aus. 

Unternehmenskulturen sind also eher konservative Subkulturen, wenn es um den Bereich der "sozialen Kultur" im Unternehmen geht. Hier erfolgt, insbesondere bei gewachsenen Traditionsunternehmen, häufig eine bewusste Verstärkung von sog. "Mittelschichtstandards": Etikette und Benehmen werden für wichtig erachtet, auf Kleidung und "angemessenes Verhalten" wird großer Wert gelegt, man ist stolz auf die eigene Problemlösekompetenz ("bei uns macht man das so!"), die als wesentlicher Faktor des Unternehmenserfolgs gesehen wird.
Neue Industrien verhalten sich hier hingegen eher als Avantgarde. Sie orientieren sich an den "Jugend-Subkulturen" einer Gesellschaft, etablieren intern neue Spielregeln und Umgangsformen und machen sich auf diese Weise attraktiv.

Unternehmenskultur erfüllt damit intern wie extern jene Funktionen, die für Subkulturen kennzeichnend sind: Sie schafft durch Integration der Mitglieder und Abgrenzung nach außen "Wir-Gefühl" und Identifikation, baut sich ein möglichst unverwechselbares Image auf und nutzt dies "konkurrierend" mit anderen Unternehmenskulturen. Aufgrund des höheren Grads an Strukturiertheit sind Unternehmenskulturen dauerhafter, doch unterliegen sie gleichfalls dem Zwang zum Wandel. So sind auch sie letztlich Zeiterscheinungen.

Dennoch geht gerade auch von Unternehmenskulturen eine wesentliche innovative Kraft aus. Im Zeitalter der Globalisierung werden sie in bisher nie da gewesenem Ausmaß internationalen Einflüssen ausgesetzt. 
In der modernen Industriegesellschaft repräsentieren sie weitgehend die "materielle Kultur" der Gesellschaft und bestimmen deren Entwicklungsdynamik. Sie beherrschen den Bereich gesellschaftlicher "Kulturtechniken" vom Wohnungsbau, der Kleidung bis hin zur Kommunikationstechnik. Auf diese Weise nehmen sie direkt (Organisationsformen, Führungskonzepte, Management-Know-how etc.) und indirekt (Angebot an neuen Technologien, Waren und Dienstleistungen) auch wesentlichen Einfluss auf soziales Leben und Sozialverhalten der Gesellschaftsmitglieder. 

Doch bei alledem bleiben sie auf die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz ihres Handelns angewiesen.

Zurück zum Anfang
Zur Gesamtübersicht

Was versteht man eigentlich unter Kulturstandards?

Mitglieder einer Kultur kennzeichnen sich - ungeachtet einer weiten Variation individueller Verschiedenartigkeit – durch jene kulturell erworbenen gemeinsamen Charakteristika, die den Mitgliedern dieser Kultur gemeinsam sind und sie von anderen unterscheiden.
Diese Charakteristika bilden zusammen einen wohlinterpretierten Gesamtkomplex, welcher den Mitgliedern der Kultur / Gesellschaft gemeinsame Grundverständnisse und Werte liefert und einheitliche Gefühlsreaktionen und Verhaltensweisen gegenüber Situationen ermöglicht, in denen diese eine Rolle spielen.

Es entsteht ein geordnetes, strukturiertes Bündel gemeinschaftlicher Persönlichkeitselemente und sozio-kultureller Charakteristika, welche jedem einzelnen die Möglichkeit zur "Identifizierung" und dem Verstehen der Angehörigen seiner Kultur ermöglicht und Grundlage "kultureller Identität" darstellt.

Jene Verhaltensbereitschaften und Verhaltensmöglichkeiten (Dispositionen), die eine Person mit den Mitgliedern der sie umgebenden sozio-kulturellen Gruppe gemeinsam hat, werden als "cultural personality structure" bezeichnet. Im interkulturellen Kontext werden sie "kulturspezifische Verhaltensmuster" oder auch "Kulturstandards" genannt.

"Kulturstandards" sind dabei in der Regel eingebunden in Rollenmuster und situative Muster - zusammen ergeben sie die Antwort auf die Frage: "Was ist in unserer Gesellschaft für Rolle X in dieser Situation <<angemessenes Verhalten>>?"

"Kulturstandards" sind dabei durchaus "emotional geladen": den Mitgliedern der Gesellschaft ist nicht egal, ob sie beachtet werden oder nicht. Verletzungen von Kulturstandards lösen folglich meist Reaktionen, sprich: Sanktionsbedürfnisse aus. 

Ausländern gesteht man dabei durchaus für eine gewisse Zeit einen "Ausländerbonus" zu: "er kann es ja nicht wissen..." - doch Vorsicht: der Ausländerbonus hat Grenzen! Schon nach wenigen Wochen ist die Schonzeit vorbei: "inzwischen könnte er/sie es langsam kapiert haben...". Und: Benimmt sich der Ausländer aus Sicht der Einheimischen "zu sehr daneben", hilft auch kein Ausländerbonus mehr!

Zurück zum Anfang
Zur Gesamtübersicht

Was versteht man unter "interkultureller Kompetenz"?

Bi-kulturell kompetent ist derjenige, der die fremde Kultur soweit verstanden hat, dass er die Erwartungen, Verhaltensweisen und Reaktionen ihrer Mitglieder ähnlich gut vorhersehen bzw. nachvollziehen kann, wie die der Mitglieder seiner eigenen Kultur und weiß, wie er sich selbst in bestimmten Situationen verhalten muss, damit seine Absichten auch in seinem Sinne verstanden werden..

Dabei impliziert "interkulturelle Kompetenz" eine Lernerfahrung der Erschließung anderer Kulturen, die sich auch auf neue Länder und Gesellschaften übertragen lässt.

Zurück zum Anfang
Zur Gesamtübersicht

Was versteht man unter "Interkulturellem Management"?

Interkulturelles Management beschäftigt sich mit den kulturbedingten Unterschieden in Arbeitsorganisationen sowie im Führungs- und Arbeitsverhalten von Menschen.

Beispiel: In jeder Kultur gibt es klare Erwartungen, wie Vorgesetzte und Untergebene miteinander umgehen sollten: Ob der Vorgesetzte leicht zugänglich sein sollte, ob er mit Mitarbeitern scherzen darf, ob er eigene Fehler zugeben sollte, in wieweit er sich für das Privatleben seiner Mitarbeiter interessieren sollte, ob Mitarbeiter ihm widersprechen dürfen, wenn sie fachlich anderer Meinung sind, welche Statussymbole angemessen sind, etc.

Obwohl jede Führungskraft ihren eigenen persönlichen Stil entwickelt, wird sie nur anerkannt und erfolgreich sein, wenn ihr Stil wichtigen Erwartungen der Kultur nicht dauerhaft zuwiderläuft.


n = 1.360 befragte deutsche Expatriates
 

Personalführung in unterschiedlichen Kulturen ist aber nur ein Gegenstand des interkulturellen Managements, andere Themen sind das Verständnis von Arbeitsverhältnissen und Geschäftsbeziehungen, Verhandlungsstile, Konfliktmanagement, Kundenbeziehungen, Planung und Entscheidungsfindung, Risikobereitschaft und Regelungsbedarf im Arbeitsleben, Arbeitsanweisungen und Wissensvermittlung, Vertragsverständnis, Präsentation und viele andere.

Alles, was Menschen im Arbeitsleben tun, findet im Rahmen kulturell geprägter Vorstellungen statt.

 
 
 
Zurück zum Anfang
Zur Gesamtübersicht

Was versteht man eigentlich unter "Kulturschock" ?

Anders, als "Schock" impliziert, handelt es sich nicht um ein momentanes Phänomen, sondern um eine länger anhaltende Phase (ca. 3-6 Monate) ungewöhnlich ausgeprägter Gefühlsschwankungen zu Beginn eines längeren Auslandsaufenthalts.

Häufig beginnt der Kulturschock mit einer ausgeprägten Euphoriephase ("ist ja alles viel angenehmer, als befürchtet), der ein allmählicher emotionaler Absturz folgt ("ich werd die hier nie verstehen..."). Fremdheitsgefühle, Einsamkeit, Unverständnis, oft auch gelegentliche Ausbrüche prägen diese Phase.  

Sie wird häufig begleitet durch intensive Träume von Dingen, die man vermisst: Schokolade, Winter, Schweinebraten, Spaziergänge, Musik .... oft sogar Dingen, die man zuhause gar nicht unbedingt zu schätzen wusste!

Dann erst allmählich pendelt sich die Gefühlslage wieder ein, meist auf altem Befindlichkeitsniveau. Einige (ca. 10-15 %) bleiben darunter, werden Dauernörgler, leiden an ihrem Schicksal und am Ausland.

Die Ursache für Kulturschock ist der langsame Zusammenbruch erlernter gesellschaftlicher Orientierungen, die nunmehr immer wieder irreführen und das Gefühl auslösen, nichts und niemanden zu verstehen und auch selbst nicht verstanden zu werden. 
Menschen und Situationen werden "unvorhersehbar" und damit "unberechenbar".  Kulturschock ist nichts anderes als eine spezifische Form von Stress, welche durch diesen Orientierungsverlust ausgelöst wird.

Kulturschock lässt sich deshalb durch spezifische Verhaltensmuster, die man u.a. in der Auslandsvorbereitung erlernt, bezüglich seiner Intensität und Dauer wesentlich positiv beeinflussen.

Das Phänomen verschwindet in dem Maße, wie das "Verstehen" der Gastlandskultur wächst.
Wie das Schaubild zeigt, erreichen die meisten Entsandten zum Befragungszeitpunkt nach rd. 1 Jahr eine weitgehende Zufriedenheit.

Zurück zum Anfang
Zur Gesamtübersicht


Copyright © 2002 - 2015 IFIM GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: 17. Oktober 2017