Live free or die!
Kennzeichen in den USA

  

Sie stehen mal wieder im Stopp and Go-Verkehr. Und nachdem Sie den vor Ihnen den Weg versperrenden Wagentyp gewürdigt haben, denken Sie über sein Kennzeichen nach, viel mehr ist ja nicht zu tun. Was mag 'MKK' bedeuten? Laut Wappen aus Hessen. Als Sie als Kind auf langen Autofahrten 'Kennzeichenraten' spielten, waren Sie darin besser!  
 

Aber ist Ihnen eigentlich je aufgefallen, wie öde deutsche, europäische Kennzeichen sind?

So langweilig waren die die US-amerikanischen Kennzeichen bis in die Siebziger Jahre auch: State-Name und Nummer! Aber dann begann ein erstaunlicher Kreativitätswettbewerb unter den States.

 

Heute hat fast jeder State ein textlich wie graphisch aufgemotztes Kennzeichen:

'Stars fell on Alabama'. Das gibt einem doch zu denken! Wird hier an eine Naturkatastrophe erinnert, von der man nie gehört hat? Nein, es erinnert an einen durch Ella Fitzgerald and Louis Armstrong populär gemachten Song. Da fragt sich der Rock-Liebhaber doch, weshalb hier nicht 'Sweet Home Alabama' steht.
South Carolinas 'Smiling faces. Beautiful Places.' gibt einen deutlichen Eindruck davon, dass den State-Verantwortlichen wirklich nichts Originelles zu ihrem State eingefallen ist. Die Bergsilouette vertieft diesen Eindruck: Die Idee, dass South Carolina ausgerechnet für seinen Blick auf die Appalachian-Mountains berühmt sein sollte, die genau da beginnen, wo South Carolina endet, ist hinreichend absurd. Aber so lernt man aus diesem Nummernschild doch einiges über den State!
Das heutzutage eher liberale New Hampshire überrascht den Betrachter mit dem martialischen Motto 'Live free or die'!
Was den Betrachter animiert nachzudenken, worin der Unterschied zum in Lateinamerika gerne benutzte Motto 'Patria libre or murir!' besteht.
Idahos Motto 'Famous Potatoes'
mag gewiss darauf verweisen, was den Saat einst groß gemacht hat, lässt den Betrachter aber in gewissem Zweifel zurück, ob der State wirklich so 'scenic' ist, wie sein Nummernschild suggeriert. Vielleicht gibt es dort doch nur Kartoffeln zu bewundern?
Solche Zweifel lässt Wyomings Rodeo-Reiter wirklich nicht aufkommen!

Das spektakulärste Nummernschild zeigt allerdings die Hauptstadt der USA, Washington, District of Columbia.

Washington ist kein 'State' der USA, weshalb seine Bürger auch keinen Vertreter in den Kongress der USA entsenden können, in dem nur die States vertreten sind. Steuern zahlen die Bürger Washingtons aber trotzdem. Um zu verstehen, welche 'Aufmüpfigkeit' es bedeutet, angesichts dieser Tatsachen 'Taxation without Represantation' aufs Nummernschild zu schreiben, muss man wissen, dass 'No taxation without representation' eine wichtige Parole des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs gegen England war.

 

So anregend also die unterschiedlichen Nummernschilder der einzelnen US-States sind: Wenn man in den USA lebt, nutzt sich der Spaß schnell ab, über sie nachzudenken. Aber viele States bieten auch die Möglichkeit, gegen einen bescheidenen Aufpreis mit einem speziellen Nummernschild seine Verbundenheit mit einem bestimmten Anliegen kund tun.

 


Nehmen wir Florida als Beispiel: Am normalen Nummernschild mit Südfrüchten vor dem Umriss des States hat man sich ja schnell satt gesehen.
Da ist es doch spannend, dass Ihnen ein Fan des Football-Club 'Tampa Bay Buccaneers' die Vorfahrt genommen hat,  während Ihr Herz doch für den Polizeisportverein schlägt, damit Sportplätze statt Gefängnisse gefüllt werden.
Oder ein Abgänger des 'Florida Institute of Technology', die sind bei den Alumni der 'Florida State University' eh nicht beliebt! Oder es war so ein verdammter Naturschützer, der wahrscheinlich nichts für die Coast Guard übrig hat.
Oder ein Pfadfinder!
Durch diese 'Speciality License Plates' weiß man endlich, wen man im Autoverkehr vor sich hat:
Mehr Spaß im Stau bedeutet mehr Lebensqualität!

Höchste Zeit, mal wieder von den USA zu lernen!


 

Copyright © 2008  IFIM GmbH.  Nachdruck erwünscht - Belegexemplar erbeten!
Stand: 16. November 2010