'Non-discrimination' per Filter?
Amerikanische Unternehmen nehmen die Verpflichtung sehr ernst, ihren Mitarbeiter/innen einen diskriminierungsfreien Arbeitsplatz bieten zu müssen. Längst nicht mehr nur, weil Strafen und Schadenersatzforderungen drohen, wenn sie dieser Pflicht nicht nachkommen. Man hat verstanden, dass ein positives Image in Sachen 'Diversity Management' wichtig ist: Kunden schauen darauf, Investoren auch und hoch qualifizierte Arbeitsuchende ebenfalls.
Nun besteht die Verantwortung der amerikanischen Unternehmen nicht nur darin, für einen korrekten Umgang seiner Mitarbeiter untereinander zu sorgen, sondern Mitarbeiter auch vor Diskriminierungen durch firmenfremde Personen zu schützen. Das ist natürlich schwer umzusetzen. Wie soll ein Unternehmen sicher stellen, dass sich alle Personen korrekt verhalten, mit denen die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit zu tun bekommen? In vielen Fällen ist das nicht möglich. Das Unternehmen kann erst einschreiten, nachdem etwas vorgefallen ist, um eine Wiederholung zu verhindern. Sollte sich beispielsweise der Bote des Paketdienstes zu einer unkorrekten Bemerkung hinreißen lassen, wird man darauf bestehen, dass die betreffende Person das eigene Unternehmen nicht mehr betreten darf.
In manchen Bereichen kann man aber auch präventiv tätig werden. So kann man etwa durch 'Content-Filter' sicherstellen, dass den Mitarbeiter am Arbeitsplatz keine E-Mails mit diskriminierendem Inhalt erreichen.
Wie weit man dabei geht, musste das IFIM beim Versand seiner IFIM-News 03-2007 erfahren. Wir gehen davon aus, dass unsere deutschen Leser in diesen 'News' ebenso wenig diskriminierende oder beleidigende Inhalte entdeckt haben wie wir als Absender. Doch das amerikanische Verständnis ist weitergehend. Wir erhielten nach dem Versand die Nachricht:
"Microsoft Antigen for Exchange found a message matching a filter. The message is currently Identified.
Message: "IFIM NEWS 03_2007"
Filter name: "KEYWORD= racial discrimination: jap"
'Rassische Diskriminierung' in IFIM-News? Was war geschehen?
In der Tat hatten wir - wie immer - am Ende der News auf 'Restplätze' in unseren Trainings hingewiesen:
"In folgenden Seminaren sind kurzfristig noch Plätze verfügbar:
Seminartermine im Mai 2007
07.05. – 10.05. AV-JAP-02/07 Auslandsvorbereitung Japan"
Seit 2006 bietet Microsoft für E-Mail-Server das in Deutschland noch wenig bekannte Programm 'MS Antigen' an, das 'content-filtering' beinhaltet. Ersichtlich weist der Filter Mails als 'rassistisch' zurück, die den Begriff 'jap' enthalten, selbst wenn der Begriff nicht allein steht, sondern in der Schreibweise ' AV-JAP-02/07'.
Denn,
ja, zugegeben, 'Jap' ist im amerikanischen Englisch ein herabsetzender Begriff
für 'Japaner', wie auch Wikipedia findet:
"In Japanese dictionaries, the term Jap is only defined as a disparaging term
used against the Japanese people, like it is the case in many English language
dictionaries."
Wenn Microsoft seinen Filter konsequent programmiert hat, ist das eine schlechte Nachricht für alle Hersteller von Sauerkonserven und für alle Gastronomen. Denn Wikipedia schreibt auch: "The German word Kraut when standing alone in English is used almost exclusively as an ethnic slur against Germans." Im deutschen Interesse darf man wohl hoffen, dass durch Antigen geschützte Server auch alle Nachrichten zurückweisen, in denen in irgend einem Zusammenhang von 'Kraut' die Rede ist. Deutsche wollen ja genauso wenig beleidigt werden wie Japaner. Es wäre ein diskriminierender Akt von Microsoft, 'Jap' zu sperren, aber 'Kraut' nicht!
Ob diese Erwartung zutrifft, werden wir nach dem Versand dieser News wissen: MS-Antigen sollte sich dann nicht nur an der erneuten Verwendung der Buchstabenfolge 'jap' stören.
"Ja spinnen die Amis?" höre ich jetzt einige deutsche Leser murmeln.
Zunächst wäre dann doch wohl zu diskutieren, ob nicht auch der Begriff 'Ami' im Deutschen einen abschätzigen Unterton hat. Wenn Microsoft vermutet, dass das zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, wird man vorsichtshalber auch die Zeichenfolge 'ami' in MS Antigen sperren. Das mag in der francophonen Welt zu erheblichen Schwierigkeiten führen, weil dann auch jede Mail geblockt werden muss, die 'mon ami' beginnt und mit 'amicalment' endet. Spaß beiseite: 'Amicalment' wäre wohl nicht gefährdet: Auch 'japanese' wird von Antigen nicht herausgefiltert, nur 'jap' oder eben auch '-JAP-'
Aber der Vorgang macht zweierlei erneut deutlich:
Wie ernst man in den USA 'political correctness' nimmt
und
dass man in den USA Kolalateralschäden durchaus in Kauf nimmt, wenn es um ein wichtiges Anliegen geht. Besser zu viel als zu wenig wegfiltern! Priorität hat, den Mitarbeiter vor inkorrekten Inhalten zu schützen. Wo gehobelt wird, fallen Späne!
In der Auslandsvorbereitung des IFIM für USA und in den zweitägigen Kooperationstrainings zu USA spielt das Thema 'Non-discrimination' eine wichtige Rolle. Nicht, weil wir Teilnehmer haben, die zu rassistischen oder sexistischen Ausfällen neigen, sondern weil das amerikanische Verständnis der Problematik so weit vom deutschen abweicht, dass ein uninformierter deutscher Mitarbeiter im Kontakt mit US-Amerikanern früher oder später fast zwangsläufig einen folgenschweren Fehler begehen wird.
Dass ausgerechnet das IFIM nun von amerikanischer Software als 'rassistisch' entlarvt wird, ist uns im konkreten Fall nicht wirklich peinlich. Es bestärkt uns aber im Rat an unsere Kunden, ihre Mitarbeiter mit USA-Kontakten wenigstens über die wichtigsten Fallstricke aufzuklären, die aus der extrem hohen amerikanischen Sensibilität für diese Fragen erwachsen. Denn die Konsequenzen von 'Fehlern' können erheblich gravierender sein, als dass eine E-Mail geblockt wird.
Copyright © 2007 IFIM
GmbH. Nachdruck erwünscht - Belegexemplar erbeten!
Stand: 16. April 2008