Mitausgereiste: Der Unmut über die derzeitige Ausreisebetreuung ist groß

 


Yvonne McNulty hat eine dankenswerte Aufgabe in Angriff genommen. Sie hat den Ehrgeiz, in der weltgrößten Studie über 'Trailing Spouses' die Erfolgsfaktoren für Mitausreisende wissenschaftlich korrekt zu erheben, und sie ist auf einem viel versprechenden Weg. Erste 'Zwischenergebnisse' der groß angelegten Studie hat sie 2002 als Abschlussarbeit (Bachalor) an der Southern Cross University (Australien) publiziert. Ihre Studie führt sie weiter und hat inzwischen 218 Befragungsbögen aus 48 Ländern gesammelt. Damit übertrifft sie die Anzahl der Rückmeldungen vieler bisherigen Untersuchungen zu diesem Thema.

Yvonne McNulty ist selbst eine Mitausreisende in den USA. Sie erlebte also hautnah, dass es heute zum normalen Entsendeprozess gehört, den Auslandsmitarbeiter vor und während des Auslandseinsatzes mit vielen sinnvollen Hilfestellungen ausstatten, dass es aber überraschenderweise offensichtlich noch nicht selbstverständlich ist, den mitausreisenden Familienmitgliedern eine ähnlich hohe Beachtung zukommen zu lassen. Dabei wird in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Erfolgsfaktoren eines Auslandseinsatzes spätestens seit den 1990er Jahren der herausragende Einfluss der mitausreisenden Familie auf den Entsendeerfolg der Auslandsmanager immer wieder betont und empirisch nachgewiesen (u.a. Nancy Adler: International Dimensions of Organizational Behavior, Kap. 9 'a portable Life' oder IFIM-Studie 'Anforderungen an Auslandsmanager'). Bedurfte es also einer neuen Studie? Nein und ja. Die bisher erhobenen Daten bringen keine grundlegend neuen Erkenntnisse hervor, aber eine erneute wissenschaftliche Absicherung der qualifizierten Erfahrungen kann nicht schaden.

Darüber hinaus bietet McNultys Auslegung der Befragung als fortlaufende Studie die Möglichkeit, im Laufe der Zeit detailliertere Erkenntnisse zu gewinnen, wenn denn der Datengrundstock noch erheblich anwächst. Haben deutsche Mitausreisende andere Bedürfnisse als American Trailing Spouses? Spielen sozioökonomische Rahmenbedingungen des Heimatlandes die entscheidende Rolle hinsichtlich der Ausreisemotivation? Wird ein bestimmtes Lebensalter als bester Zeitpunkt für erfolgreiche Auslandseinsätze erlebt? Usw. Es ist zu wünschen, dass McNulty's Studie genügend Aufmerksamkeit und hinlänglich Rückmeldungen erhält, dass Antworten auf solch 'feinere' Fragen zum Ausreiseprozess endlich ebenfalls empirisch untermauert werden können. Doch bis die Datenerhebung genügend Datensätze enthalten wird, dürfte noch eine Weile vergehen.

Wenden wir uns also den bisherigen Ergebnissen zu.

Die fortlaufende Studie erhebt Aussagen zu vier Themengebieten: 1. Motivation, 2. Akkulturation, 3. Wohlbefinden und 4. Auswirkungen auf die Partnerschaft. Eine statistische Faktorenanalyse identifiziert Zusammenhänge unter den einzelnen Rückmeldungen. In McNulty's Studie lassen sich als signifikante Faktoren für das Wohlfühlen von Mitausreisenden bei einem Auslandseinsatz die drei Faktoren 'Rahmenbedingungen vor Ort' (External Environment), 'Karrieremöglichkeit für die Mitausreisende' (Career Advancement) und 'Unterstützung durch externe Fachleute' (External Organizational Support) benennen. Die publizierten Zwischenergebnisse bestätigen also insoweit qualifizierte Erfahrungen.

Personalverantwortliche wird vor allem interessieren, ob die Studie überraschende Ergebnisse zeigt und in wie weit sich aus der Studie Ansätze zu einem noch besseren Entsendeprozess ableiten lassen. Letzteres dürfte auch die lobenswerte Absicht der Studie sein, konkrete Hinweise für eine sinnvolle Betreuung entsandter Familien zu erheben von den Personen, die es eigentlich am besten wissen müssten, weil sie gerade selbst entsandt sind. In gebündelter, entpersonalisierter Form bieten die Ergebnisse dieser Studie tatsächlich die Chance auf eine von konkreten Gegebenheiten unvorbelastete Informationsgewinnung über deutlich empfundene Unterstützungsbedarfe von Mitausreisenden.

Noch interessanter dürfte sein, dass die Studie ausdrücklich keine Relevanz erkennen kann zu den Faktoren Familieneinkommen, Anpassungsschwierigkeiten oder Eheglück vor der Ausreise. Auch dies überrascht nicht, weist aber erneut darauf hin, dass Predikatoren wie 'stabile Partnerschaft vor der Ausreise' für einen Erfolg im Ausland bislang nicht wissenschaftlich validierbar sind, dass die Höhe des Auslandsgehalts weniger erfolgsrelevant ist, als das Bereitstellen guter Rahmenbedingungen für gute Arbeit im Ausland) und dass es letztlich wenig Einfluss hat, wie schwer den Mitausreisenden die Anpassung an lokale Gewohnheiten fällt (Erschwerniszulagen also eigentlich den falschen Namen tragen).

Die Studie identifiziert sechs Unzufriedenheitsquellen, die in den Antwortbögen der befragten Mitausreisenden überaus deutlich genannt werden. Es sind dies:

  1. Mangelnde eigene Auslandserfahrung seitens der Ansprechpartner der Personalabteilung
  2. Der Erfolgsrelevanz unangemessen dürftige Anerkennung der Rolle der mitausreisenden Familienmitglieder im Ausreiseprozess
  3. Der indirekte Kommunikationsweg über den Vertragsnehmer statt einer direkten Kommunikation zwischen der Personalabteilung und den Mitausreisenden
  4. Sehr limitierte gemeinsame Zeit der Familienmitglieder vor und direkt nach der Ausreise wegen überproportional hoher Arbeitsbelastung des Vertragnehmers
  5. Unzureichende Berücksichtigung der Bedürfnisse der mitausreisenden Familie nach sinnvoller Gestaltung des Alltags.
  6. Das unzulängliche Verständnis der entsendenden Stellen für das Abwägen von Vor- und Nachteilen einer Auslandsentsendung für die mitausreisende Familie.

Auffallend ist, wie massiv die befragten Expats mangelndes Einfühlungsvermögen und inkompetente Entsendeverfahren als maßgebliche Einflussfaktoren für die Unzufriedenheit Mitausgereister im Ausland zurückmelden. Wohlgemerkt geht es hier jedoch um subjektive Wahrnehmung, nicht um eine objektive Zeugniserteilung. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass sich viel Unmut der mitausreisenden Familie gegen die Entsendeverantwortlichen aufstaut, und dies nachhaltig als vermeidbares Ärgernis, wenn nicht sogar als ein Baustein zum Misserfolg im Ausreiseland gesehen wird.

Das IFIM unterstützt Entsendeverantwortliche

Wie erleben deutsche Ausreisende und ihrer Mitausreisenden den Entsendeprozess? Wie kann man den Entsendeprozess für die Firma effizient gestalten? Wieviel Wertschätzung in welcher Form ist erfahrungsgemäß sinnvoll, um den Entsendeerfolg abzusichern? Darüber gibt die Studie (bislang) keine Auskunft. Wer sich dafür interessiert, kann sich aber dennoch qualifiziert erkundigen. Und zwar recht einfach durch eine kostenlose Teilnahme am IFIM-Seminar (Für Entsendeverantwortliche entfällt die Seminargebühr).

Das IFIM ist bekannt als renommiertester Anbieter interkultureller Ausreisevorbereitungen und interkultureller Managementtrainings im deutschen Sprachraum. Hunderte Ausgereister und Mitausgereister attestieren Jahr für Jahr den Seminaren des IFIMs einen überragend guten Stellenwert. Weniger bekannt ist leider immer noch, dass das IFIM alle interessierte Entsendeverantwortliche einlädt, kostenlos an offenen IFIM-Seminaren teilzunehmen, soweit Restplätze dafür zur Verfügung stehen. Entsendungsmanager von Firmen mit großen Entsendevolumina machen regelmäßig von diesem Angebot Gebrauch. Das freut uns, denn offensichtlich hat sich unter den erfahrenen Entsendemanagern herumgesprochen, welche einmalige Gelegenheit die Teilnahme an IFIM-Seminaren ist, Informationsbedarfe ausreisender Manager und deren Familien ungefiltert zu erleben und gleichzeitig einen Einblick in die interkulturellen Herausforderungen der Auslandsmanager zu erlangen. Das Verständnis für 'komische Anfragen' und klare Kommunikation vor der Ausreise wird sicherlich gestärkt, wenn die Entsendeverantwortlichen in den Pausen eines IFIM-Seminars 'auf neutralem Grund' mit Ausreisekandidaten anderer Firmen 'unter uns Pastorentöchtern' sprechen können.

Es ist jedoch zu bedauern, dass verantwortliche Personalmanager, die nur hin und wieder in ganz unterschiedliche Regionen Entsendungen betreuen, bislang wenig Gebrauch von dieser einmaligen Fortbildungsmöglichkeit machen. Dabei könnten sie von den Erfahrungen anderer besonders profitieren.

Sie wussten bislang nicht von dieser Möglichkeit als Personalmanager ohne Seminargebühr am IFIM-Seminar teilnehmen zu können? Sie hätten Interesse? Dann zögern Sie nicht, uns umgehend zu kontaktieren, um einen Termin abzusprechen. Wir heißen Sie gern willkommen.

Weitere Hinweise:

McNulty's Fragebogen findet sich im Internet unter: http://users.anet.com/~smcnulty/trailingq.html

Die IFIM Broschüren 'Als Mitausgereiste im Ausland', 'Mit Kindern im Ausland', das Buch 'Mit dem Partner ins Ausland' und weitere Bücher zum Thema Mitausreisende finden Sie im IFIM-Shop: http://www.shop.ifim.de

 


Copyright © 2004  IFIM GmbH. Nachdruck erbeten - Belegexemplar erwünscht!
Stand: 16. November 2010