Ende eines Mythos:
Globale Jobnomaden ?
Wer als Teilnehmer in einer IFIM-Auslandsvorbereitung sitzt, ist meist Erfolg gewohnt. Auslandsentsendungen sind teuer und so tun die Firmen gut daran, dafür Mitarbeiter auszuwählen, die für hohe Leistungsbereitschaft und gute Performance bekannt sind. Spezialwissen, Erfahrung und Flexibilität sind in der Regel die entscheidenden Kriterien, um für einen Auslandseinsatz vorgeschlagen zu werden. Vorbei sind die Zeiten, als man unliebsame Mitarbeiter auf abgelegene Außenposten delegierte. Wer heute auf Geheiß der Firma ins Ausland geht, soll dort Geld verdienen. Viel Geld, denn bekanntermaßen nimmt der Beitrag ausländischer Märkte an den Firmengewinnen fast überall zu.
Dazu sind die Besten gerade gut genug. Um die zu bekommen schnüren die Firmen aufwändige Pakete, die außer den monetären Anreizen, meist eine deutliche Gehaltssteigerung, Kompensationen für die erwarteten Härten für die Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen beinhalten. Neben Umzugs- und Wohnungskosten gehören Schulgebühren, Dienstwagen, Sprachkurse, medizinische Rundumversorgung und verschiedenste Allowances zum Standard. Wenn dann noch eine interessante Location dazu kommt, ist so mancher Mitarbeiter gerne bereit, ins Ausland zu wechseln. Schließlich gehört es mittlerweile bei Führungskräften zum Standard, einige Jahre für die Firma im Ausland gearbeitet zu haben. Wer sich da ohne gute Gründe allzu sehr bitten lässt, hat wenig Chancen auf Karriere.
Auch die Öffentlichkeit hat dieses Bild mittlerweile aufgenommen: die moderne Führungskraft ist hochmobil. Ausgerüstet mit Handy, PDA und Notebook jetten moderne Manager zwischen den Metropolen dieser Welt hin und her: heute Frankfurt, morgen Rio, Freitag Singapur. Sie steigen in den besten Hotels ab, essen in exklusiven Restaurants, haben eigene Chauffeure, allen erdenklichen Komfort und sammeln obendrein noch Prämienmeilen... Wer kann sich da noch verweigern? Im letzten Jahrzehnt bastelten Medien und Firmen am Image des "neuen" Mitarbeiters: er ist vor allem flexibel – jederzeit und überall einsetzbar, daher sollte er beziehungsmäßig nicht allzu fest gebunden sein. Er ist ein ausgeprägter Teamworker, der flache Hierarchien liebt, die ihm viele Freiräume lassen. Außerdem sollte er über den Tellerrand schauen können und darf daher durchaus eine Patchwork-Biografie vorweisen. Eine Auszeit nach einigen Jahren erfolgreicher Arbeit? Ein Sabbatical in dem man mal total ausgespannt (und am besten noch nebenbei einen Bestseller geschrieben) hat? Durchaus denkbar, denn die Work-Life-Balance muss schließlich stimmen! Beruflicher Erfolg und persönliches Glück sollen ja kein Widerspruch sein!
Kürzlich hat uns das renommierte BAT-Freizeitforschungsinstitut (www.bat.de) auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und damit bestätigt, was die Trainer des IFIM schon seit Jahren bemerken: der flexible Jobnomade – ob deutschlandweit oder global ist ein Mythos. Der enorme Flexibilitätsdruck, der auf den Mitarbeitern lastet, löst bei manchen Betroffenen Ehedramen und persönliche Krisen aus. So mancher Mitarbeiter geht nicht ins Ausland weil er endlich Global Player sein will, sondern weil die Firma es verlangt.
Die im Frühsommer vom Leiter des BAT-Freizeitforschungsinstituts Dr. Horst W. Opaschowski vorgestellten Ergebnisse legen detailliert dar, dass die wenigsten Deutschen das oben beschriebene Mitarbeiterprofil für sich erstrebenswert halten. Fast drei Viertel der Befragten (71%) geben unumwunden zu, dass sie auch im 21. Jahrhundert so arbeiten wollen wie ihre Eltern: in Festanstellung und mit geregeltem Feierabend. "Die meisten Arbeitnehmer wollen konventionell und traditionell mit festen Regeln und Zeitvorgaben arbeiten. Das Modell des Wanderarbeiters (...) findet kaum Anhänger, weil auch Jobnomaden am Ende sesshaft werden wollen," bemerkt die Studie. Auch das Arbeiten in flachen Hierarchien wird dort entmystifiziert: 80% der Befragten spüren in ihren Unternehmen deutlich den Unterschied von Vorgesetzten und Untergebenen und erwarten als Arbeitnehmer klare Aufgabenverteilungen und verbindliche Anforderungsprofile.
Folgt man den Ergebnissen der BAT-Studie sind deutsche Mitarbeiter konventioneller und bodenständiger als in den Medien immer wieder dargestellt. Außerdem sind sie wohl weniger flexibel, als den Firmen lieb sein kann. Daher bestätigen die Ergebnisse unsere Beobachtung, dass es für die Unternehmen immer schwerer wird, Mitarbeiter für Auslandsentsendungen zu finden. Sie werden nach Wegen und Mitteln suchen müssen, die den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter eher gerecht werden. Das Bild vom jetsettenden Weltarbeiter hat sich offensichtlich als Mythos erwiesen..
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GmbH. Nachdruck erbeten - Belegexemplar erwünscht!
Stand: 16. April 2008