Archiv  

Ältere Mitteilungen aus der Arbeit des Instituts 

2002
2001
1999
2000



Mitausreisende erhalten Arbeitserlaubnis in den USA

 (Rheinbreitbach, 27.01.2002)

 In den meisten Ländern dieser Welt erhalten mitausreisende Partner/innen von Auslandsmitarbeitern keine Arbeitserlaubnis. Dies schafft große Probleme für alle Seiten: Die Ehepartner von angehenden Auslandsmitarbeiter halten es für eine erhebliche Zumutung, auf die Fortsetzung ihrer Tätigkeit verzichten zu sollen, weil ihr Partner einen Auslandsjob annehmen möchte. Verständlich, dass nicht alle dazu bereit sind. Für Unternehmen bedeutet dies: Mancher potentielle Auslandsmitarbeiter lehnt eine Entsendung nur deshalb ab, weil der Ehepartner unter diesen Bedingungen zur Ausreise nicht bereit ist.

Auf Druck amerikanischer Großunternehmen, die mit den selben Schwierigkeiten konfrontiert waren, wenn sie Mitarbeiter aus ihren Auslandsniederlassungen in die USA transferieren wollten, hat sich die amerikanische Regierung nun zu einer positiven Regelung durchgerungen: Am 16. Januar 2002 unterzeichnete Präsident George W. Bush die Gesetze PL 107-124 und 125, die unter anderem das Recht aller Ehepartner von Inhabern eines E- oder L-Visums auf eine Arbeitserlaubnis in den USA festschreiben. Dies gilt auch für Mitausreisende von deutschen Auslandsmitarbeitern, die mit den entsprechenden Visen eingereist sind oder einreisen werden.  

Zu Recht feiert etwa die amerikanische Handelskammer dies als revolutionären Schritt. Die USA verzichten hier auf die sonst übliche Gegenleistung anderer Staaten à la: 'Laßt ihr unsere Mitausreisenden arbeiten, lassen wir eure Mitausreisenden arbeiten', sondern treten einseitig in Vorleistung.  

Abwicklung:

Bis Ehepartner der Inhaber der genannten Visa tatsächlich eine Arbeitserlaubnis erhalten können, werden allerdings noch einige Monate vergehen: Die zuständigen Behörden brauchen diese Zeit, um die Verfahren zu definieren, mit denen das Gesetz umgesetzt wird. Amerikanische Experten schätzen, dass dieser Prozess noch bis Mitte des Jahres dauern wird. Man kann jedoch sicher darauf vertrauen, dass in absehbarer Zukunft Arbeitserlaubnisse für die entsprechenden Gruppen erteilt werden. 

Keine Illusionen!

Ohne Zweifel wird die neue Rechtslage die Bereitschaft angehender Mitausreisender erhöhen, einem USA-Assignment ihres Partners zuzustimmen. Auslandspersonalabteilungen sollten selbstverständlich auf die neue Rechtslage hinweisen. Die interkulturellen Experten des IFIM Institut für Interkulturelles Management warnen allerdings davor, Illusionen zu schüren: Erfahrungen aus der Europäischen Union, in der 'Arbeitserlaubnisse' seit Jahren kein Thema mehr sind, zeigen, dass eine rechtliche Arbeitserlaubnis noch keineswegs dazu führt, dass Mitausreisende tatsächlich eine Anstellung finden:

Bislang konnten sich Mitausreisende in die USA der Illusion hingeben, sie würden eine Stelle finden, wenn es ihnen nur erlaubt wäre, sie anzunehmen. Künftig werden Auslandspersonalabteilungen einen 'Erfahrungsschatz' darüber aufbauen müssen, welche Qualifikationen Mitausreisender eine Beschäftigung wahrscheinlich machen und welche nicht, um Ausreisende weiterhin realistisch informieren zu können. Es wäre kontraproduktiv, mit Verweis auf das neue Recht allen Mitausreisenden zu suggerieren, dass sie eine bezahlte Stelle finden werden.  

Gegenzug

Obwohl nicht alle Mitausreisende tatsächlich von der geänderten Rechtslage in den USA profitieren werden, ist sie als bedeutender Fortschritt zu werten. International tätige deutsche Unternehmen sollten den Schritt der USA zum Anlass nehmen, auf den deutschen Gesetzgeber einzuwirken, bei der ohnehin anstehenden Neuregelung des Einwanderungsgesetzes ähnlich großzügige Regelungen zu verankern. Es kann nicht nur um 'Green-Cards' für einige zehntausend ausländische Fach- und Führungskräfte gehen. Früher galt: Hinter jedem erfolgreichen Mitarbeiter steht eine starke Frau, die ihm 'den Rücken freihält'. Heute gilt: Neben vielen starken Mitarbeitern stehen starke Ehepartner, die eigene Ambitionen haben.

Deutsche Unternehmen sind im Rahmen ihrer Globalisierung verstärkt auf den Zuzug ausländischer Experten und Führungskräfte nach Deutschland angewiesen. Fehlende Arbeitserlaubnisse für Miteinreisende sind ein gravierender Standortnachteil, wenn es darum geht, Spitzenkräfte dazu zu bewegen, nach Deutschland zu kommen. Die Bundesrepublik würde sich nichts vergeben, wenn sie eine ähnlich großzügige Regelung wie die USA beschlösse: Es geht um wenige tausend Arbeitserlaubnisse pro Jahr, von denen tatsächlich nur wenige hundert zu einer regulären Beschäftigung führen würden. Jeder, der eine entsprechende Regelung mit dem Verweis auf unsere 4 Millionen Arbeitslose bekämpfen wollte, wäre der Lächerlichkeit preisgegeben!  Es wird den deutschen Arbeitsmarkt nicht beeinflussen, wenn ein paar tausend Miteingereiste eine Arbeitserlaubnis erhalten. Aber es kann die Bereitschaft einer ausländischen Familie, sich auf einen Deutschlandaufenthalt einzulassen, entscheidend beeinflussen. Einflussreichen Unternehmen und Unternehmerverbänden kann nur empfohlen werden, die 'Gunst der Stunde' zu nutzen, um in der aktuellen Debatte um 'Einwanderung' auch die Arbeitsmöglichkeiten für Miteinreisende auf die Agenda der politischen Entscheidungen zu bringen.

  -------------------------

Weitere Erläuterungen findet man auf:

http://www.uschamber.org/_Political+Advocacy/Issues+Index/Immigration/Spousal+Immigration/default.htm

Den entsprechenden Originaltext können Sie hier herunterladen:

PL107-124


USA: Arbeitserlaubnis für Mitausreisende - Das Verfahren

 (Rheinbreitbach, 01.08.2002)

Aufgrund unserer Meldung vor einigen Monaten sind viele Anfragen eingegangen, die um Hinweise bitten, wie vorzugehen ist, um in den Besitz der Arbeitserlaubnis zu gelangen. Wir haben uns deshalb bemüht, die Verfahrensfragen entsprechend zu klären. Noch sind nicht alle Aspekte des Verfahrens völlig klar. Verbürgt ist aber Folgendes:

 Die Ehepartner (und nur die, nicht alle Mitausreisenden) beantragen mit Formblatt I-765 die 'Employment Authorization' (sogenannte 'EAD') beim INS (Immigration and Naturalization Service). Die EAD trifft i. d. R. auch nach 70 bis 90 Tagen ein.
Beweisen, dass man zum Kreis der Berechtigten gehört, muss man durch Beilegen von Kopien der entsprechenden Visa und der Aufenthaltserlaubnis I-94, sowie (in manchen Fällen) durch eine beglaubigte Übersetzung der Geburts- und Heiratsurkunde. Wann die INS diese Urkunden einfordert und wann nicht, ist uns noch unklar, bei unterschiedlichem Nachnamen der Ehepartner jedoch immer. Außerdem müssen dem ausgefüllten Antrag noch zwei Fotos nach INS-Standard und ein Scheck über $120 an die INS beigelegt werden. 

Die Gültigkeitsdauer der EAD hängt von der Dauer der Aufenthaltserlaubnis I-94 ab. Die Berechtigung wird auch für Mitausgereiste erteilt, die sich bereits in den USA befinden. 

Die EAD berechtigt zu selbständiger und nichtselbständiger Arbeit, allerdings müssen sonstige US-Gesetze und -Regelungen beachtet und befolgt werden, z. B. dass für die Arbeit in manchen Berufen eine bestimmte Ausbildung mit Abschluss (z. B. Medizin: dt. Staatsexamen wird nicht anerkannt) oder Lizenz (z. B. Juristerei, selbständiger Architekt) erforderlich ist.

Die Social Security Number kann beantragt werden, sobald die EAD ausgestellt ist. Aufgrund der Maßnahmen zur Terrorbekämpfung dauert es mittlerweile allerdings 6 Wochen und länger, bis die SSN zugestellt bzw. abgefragt werden kann. 

Das genannte Formblatt finden Sie auf den Webseiten des INS: http://www.ins.usdoj.gov/ 
Sehr viel mehr steht dort bislang aber nicht.


Greencard - Interkulturelle Eignung immer wichtiger!

 (April 2002)

Mitte April verkündete Jürgen Goecke, der Leiter Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit, seine Zwischenbilanz zur Vermittlung von Greencardspezialisten. Bisher konnten 12500 ausländische IT-Spezialisten auf dem deutschen Arbeitsmarkt vermittelt werden. Die Zahl liegt damit etwas höher, als die Zahl der Hochschulabsolventen  in zwei Jahren in den entsprechenden Fächern, was auf die Notwendigkeit Sinn der Greencardmaßnahme schließen lässt. Denn offensichtlich besteht, trotz wirtschaftlicher Krisenstimmung immer noch höherer Bedarf an IT-Spezialisten, als deutsche Hochschulen abzudecken in der Lage sind.

 Ob die avisierte Zahl von 20000 Greencards bis Juni 2003 erreicht werde, ließ Goecke er offen. Dies hänge vor allem von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab. Trotz konjunkturbedingt nachlassender Nachfrage werden weiterhin deutlich mehr ausländische Experten eingestellt, als entlassen. Allerdings seien die Anforderungen  der deutschen Arbeitgeber an die Bewerber deutlich gewachsen. In Boomzeiten achtete man fast ausschließlich auf die fachlichen Qualifikationen. Mittlerweile haben sich die Anforderungsprofile jedoch deutlich in Richtung soft skills diversifiziert., d.h. es wird immer stärker darauf geachtet, wie ausländische Mitarbeiter bei deutschen Kunden, aber auch firmenintern, ankommen. Häufig mangelt es an guten Deutschkenntnissen und an einem für die deutsche Businesskultur angemessenen Auftreten.

Firmen, die seit Jahren Erfahrung mit ausländischen Computerexperten haben, ist diese Thematik bekannt. Von daher vertrauen etwa SAP, Siemens oder Henkel seit Jahren auf die Trainings des IFIM für ausländische Mitarbeiter. Neben wertvollen Hilfestellungen beim Zurechtfinden in der deutschen Businesskultur werden die Teilnehmer mit gezielten Übungen effektive Präsentationstechniken für die Vermittlung inhaltlicher Anliegen, wie auch für das eigene Auftreten an die Hand gegeben.


Erfolgreiche Zusammenarbeit mit US-Amerikanern    

(April 2002)
ergibt sich doch von selbst! Der Umgang mit Chinesen, Japanern oder Arabern mag für Deutsche schwierig sein, aber Amerikaner kennt man doch! Mit denen sollte doch jeder vernünftige Manager ohne weiteres zurechtkommen.

Kaum eine Fehleinschätzung hält sich in der deutschen Wirtschaft hartnäckiger als diese. Wer jedoch tatsächlich mit amerikanischen Chefs oder Kollegen zu tun hat, erlebt es meist anders: Hinter der lockeren Fassade verbergen sich knallharte Partner, die durchaus nicht immer das tun, was den Deutschen vernünftig und sachdienlich erscheint. Persönliche Frustration und teure Reibungsverluste sind die Folge mangelnden Verständnisses für die Paradigmen des amerikanischen Wirtschaftslebens.

Doch erfolgreiche Zusammenarbeit mit US-Amerikanern lässt sich lernen. Und zwar zeitnah dann, wenn man in oder vor schwierigen Situationen mit Amerikanern steht. Dazu braucht kein unternehmensinternes Training organisiert werden: Das IFIM bietet seine bewährten Zweitagesprogramme "Erfolgreiche Zusammenarbeit mit US-Amerikanern" quartalsweise auch offen an. Und nicht nur Nachwuchsführungskräfte nutzen das Angebot, sondern auch und gerade erfahrene Manager, die sich in der Kooperation mit Amerikanern vor ganz neue Herausforderungen gestellt sehen. Und die Resonanz?

IFIM-typisch! Alle Teilnehmer des März-Seminars bescheinigten dem Training höchste Praxisrelevanz und kamen daher auch einhellig zum Ergebnis: 'Sehr empfehlenswert'. 
'Warum habe ich das nicht schon vor drei Jahren gemacht?', fragte sich ein Teilnehmer. 'Ich hätte eine Menge Schwierigkeiten vermeiden können!'

Er steht nicht allein. Gerade wenn es um die USA geht, wird die Bedeutung interkulturellen Wissens nur allzu oft genug unterschätzt. Dabei gibt es für die Unternehmen kaum eine bessere Möglichkeit, mit geringem Zeit- und Mitteleinsatz erhebliche Kosten zu sparen als durch ein interkulturelles Training der Verantwortlichen für die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Partnern.


"Schnipsel aus Korea"

Jonas Ley: Korea und Ich
Edition Peperkorn, 2002, 9.-- €

 (Juni 2002)

Mit dem Auftrag "Bringen Sie da mal Ordnung rein" trat Jonas Ley vor rund zwei Jahren seine neue Stelle als Leiter der Qualitätssicherung in Daejon, Süd-Korea an. Ein typischer Entsendungs- und ungewöhnlicher Glücksfall, denn der Entsandte ist nicht nur ein fähiger Qualitätsmanager, sondern auch Schriftsteller. Seine unmittelbaren Erlebnisse als verantwortlicher Akteur in der deutsch-koreanischen Business-Welt arbeitete Jonas Ley in 27 episodenhaften 'Literatur-Schnipseln' literarisch auf. Diese Einblicke hat nun die Edition Peperkorn unter dem Titel "Korea und ich..., Lesehäppchen aus dem Land der Morgenfrische" rechtzeitig zur Fussball-WM publiziert.(ISBN 3-929181-48-7, 144 Seiten, kartoniert, € 9,--)

"Korea und ich" bietet Einblicke in die Wunderlichkeiten des Expat-Alltag in Korea. Jonas Ley führt die geneigten Leser mitten in seine Firma, er nimmt sie mit zu schier merkwürdigen Sitzungen, lässt sie an der Verzweiflung über unleserliche koreansiche E-mails teilhaben und scheppt sie mit in die Expat-Kreise in Bars und auf Parties. Vor allem aber stellt er mit der pfiffigen Sekretärin Hee-Seon und dem drahtigen Ingenieur Mr. H.T. Kim sympathische koreanische Mitstreiter vor, deren Verhalten doch immer wieder Verwunderung, zumeist vermischt mit Bewunderung erzeugt. So gelingt es dem Autor, deutsch-koreanische Managementunterschiede gestochen scharf zu veranschaulichen, ohne unzulässige Verallgemeinerungen einzusetzen und ohne sich auf steril-sicheres Terrain abstrakter Plattitüden zu flüchten.

Jonas Ley beschreibt in vielen Lesehäppchen auch das Expat-Leben in Korea. Der Leser freut sich mit über die Ankunft des deutschen Bademantels per Schiff, fiebert mit, den Ausweg aus schier endlosen Parkgaragen zu finden, ist ebenso verzweifelt über die lässige Abschätzigkeit der alten Verkäuferin am Kiosk nebenan. Ja, und erst die koreanische Haushaltshilfe! Wer müsste nicht ausdauernd schmunzeln über die Episode der koreanischen Haushaltshilfe witzig überquillend von menschlich Allzumenschlichem und Paradoxie.

"Ein elementares Führungsproblem entsteht dann, wenn man, so wie ich, per Vorstandsbeschluß einigen -zig Leuten vorgesetzt wird, in (...) einer Kultur, die einem so fremd ist wie das Liebesleben der Aliens von Orion 17." Es zeichnet Jonas Ley aus, dass ihm koreanisches Verhalten Jonas Ley in den zwei Jahren seiner Tätigkeit in Daejon nicht fremd geblieben ist, dass er die Führungsprobleme meisterte. Die literarische Aufarbeitung der unerwarteten Managementsituationen mag ihm dabei geholfen haben. Auffällig und zuweilen merkwürdig ist koreanisches Business-Verhalten dem deutschen Schriftsteller Gott sei Dank geblieben, aber eben auch herzlich und zuweilen bewunderungswürdig. Es ist ein Glücksfall, dass Jonas Ley seine Eindrücke mit geübter Hand für andere aufgeschrieben hat und andere davon profitieren lässt.

"Korea und ich" dürfte sich zum Geheimtipp unter den deutschen Expats in Korea und unter den Dienstreisenden nach Korea entwickeln. Angehende Expats sollten es schon im Vorfeld lesen. Auch verantwortliche Entsender (nicht nur nach Korea) sollten die Lesehäppchen genießen, denn aus jeder Zeile spricht hervor, wie dringend empfehlenswert eine interkulturelle Ausreisevorbereitung für jeden Auslandsmanager in Korea ist.


Keine Chance auf den Titel

- Deutsche Unternehmen zählen in Korea nicht zu den Champions -

(Juni 2002)

Korea rückt während der Fußball-WM in den Blick der Weltöffentlichkeit, worüber sich Koreaner sehr freuen. Korea-Investitionen deutscher Firmen erhalten ebenfalls erhöhte Aufmerksamkeit der Länderverantwortlichen seit Vorliegen der letztjährigen erneut eher enttäuschenden Bilanzen. Aber dieser Umstand erfreut weder die koreanischen Manager, noch die deutschen.

Offensichtlich bereitet es vielen deutschen Firmen größere Schwierigkeiten als gedacht, Niederlassungen in Korea nach der Krise in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig reißt der Geduldsfaden deutscher Vorstände, die berechtigterweise eine fünfjährige Karenzzeit für Umstrukturierungen für zu lang halten. Fünf Jahre nach der Asien-Krise können die Vorkommnisse nicht mehr auf die Auswirkungen plötzlicher ökonomischer Verwerfungen geschoben werden, nun müssen endlich nachhaltige Ergebnisse vorgezeigt werden, doch genau daran hapert es zusehends.

Jetzt manifestiert sich, dass es nur wenigen Firmen gelungen ist, den hohen Erwartungen auf ein profitables Geschäft in Korea zu entsprechen. Vielfach stellt sich Ernüchterung ein, heute das Engagement in Korea nicht wesentlich profitabler zu steuern, als schon vor der Krise. War dies vor fünf Jahren noch nachvollziehbar und aufgrund restriktiverer Rahmenbedingungen auch hinnehmbar, so stellt sich heute immer stärker die Frage, ob deutsche Firmen effizient genug auf dem koreanischen Markt agieren, damit auch, ob die entsandten Führungskräfte mit einer marktgerechten Strategie die Engagements effizient genug leiten und ob die im Mutterhaus verantwortlichen Projektleiter die Engagements in Korea wirklich zielorientiert führen.

Zweifel sind durchaus angebracht, denn gerade das Führen koreanischer Mitarbeiter fällt deutschen Entsandten in Korea dauerhaft schwer: 
"Deutsche Führungskräfte gehen davon aus, koreanische Mitarbeiter in gehobenen Positionen nun wahrlich nicht ständig motivieren zu müssen. Die herausfordernden Aufgaben und die delegierten Verantwortlichkeiten müssten doch Motivation genug sein, meinen sie." weiß S.P. PAK, der koreanischer Trainer des IFIM. "Doch wir koreanischen Führungskräfte wollen von unserem Firmenchef ständig zu immer neuen Höchstleistungen getrieben werden. Zu jedem sich bietenden Anlass kann also der Vorgesetzte in Korea Höchstleistungen aller seiner Untergebenen einfordern, auch wenn der Anlass nichts mit dem eigenen Geschäftsbereich zu tun hat. Ja, es wäre fast sträflich, die WM in diesem Jahr etwa nicht dazu zu nutzen, höchst ambitionierte Verkaufsziele, Effektivitätsziele oder Projekte aller Art mit diesem gesellschaftlichen Ereignis rhetorisch zu verknüpfen."

Wie schwer es deutschen Managern fällt, solchen koreanischen Erwartungen hinsichtlich ambitionierter Ziele zu entsprechen, erlebt S.P.Pak regelmäßig in Trainings hochrangiger deutscher Managern zur  "Erfolgreichen Kooperation mit koreanischen Partnern". Ja, der ein oder andere erfahrene Korea-Projektleiter greife schon erheblich höher, als er dies vor seinen deutschen Untergebenen tun würde, aber immer nach den Sternen zu greifen, wie dies von Führungspersönlichkeiten in Korea erwartet werde, das widersprächt dem Anspruch an realistisches und seriöses Management deutscher Führungskräfte sehr. 

Führung und Motivation koreanischer Kollegen und Mitarbeiter gehören deshalb zu den Kernthemen des IFIM - Kooperationstrainings. Im Austausch mit dem ehemaligen Direktor für Marketing und Personal der deutschen Niederlassung eines der Top-10 koreanischen Firmenkonglomerate, dem IFIM - Trainer S.P. PAK können deutsche Top-Führungskräfte aus erster Hand erfahren, wie ein erfolgreicher koreanischer Geschäftsmann knifflige Managementaufgaben löst und vor allem, warum er die Aufgabe so löst und nicht anders. 
Somit erhalten die Trainingsteilnehmer eines erfahrenen koreanischen Topmanagers eine praktische Orientierung über zentrale koreanische Managementstandards, die es ihnen ermöglicht, nicht nur künftiges Verhalten der koreanischen Partner besser zu antizipieren, sondern vor allem auch eigene Anliegen im Zusammenspiel mit koreanischen Partnern besser und effizienter verfolgen zu können.

Ehemalige Teilnehmer dieser Trainings, die die Aussagen des Seminars mit eigenen einschlägigen Erfahrungen verifizieren können, empfehlen deshalb gerade auch erfahrenen Projektverantwortlichen sehr, für Korea anstehende Managemententscheidungen detailliert mit den Experten des IFIM zu diskutieren. 
Sie sind sich auch einig sind in der Auffassung, kein angehender Auslandsmanager solle ohne interkulturelle Einführung in koreanisches Management ausreisen. Denn erfolgreiches Management in Korea unterscheidet sich erheblich von dem in Deutschland gewohnten. Wohl dem, der diese Erfahrung als verantwortlicher Projekt-Manager nicht teuer selbst machen muss, sondern gut vorbereitet am neuen Wirkungsort in Korea eintrifft (vgl. auch die Ergebnisse unserer jüngsten "Expat-Befragung" sowie die "Evaluationsergebnisse")

Die nächsten interkulturellen Managementseminare zu Korea finden statt:

Interkulturelle Auslandsvorbereitung, 24.06.-26.06.2002 in Bad Honnef
Interkulturelles Kooperationstraining, 28.10.-29.10.2002 in Bad Honnef

Weitere Termine finden Sie in der Terminübersicht.

Übrigens hat sich das Interkulturelle Kooperationstraining als firmeninternes Training für Projektgruppen bestens bewährt. Erkundigen Sie sich nach Details beim IFIM.


Das IFIM hat das Anliegen, Mitarbeiter international operierender Firmen und ihre Angehörigen optimal auf Auslandseinsätze vorzubereiten. Zwar liegt unsere Kernkompetenz dabei im Bereich interkultureller Vorbereitungsmaßnahmen, doch im Zusammenhang mit ihren Auslandseinsätzen wenden sich unsere Kunden auch immer wieder mit alltagspraktischen Problemen an uns. Nachfragen zum Thema "Jetlag" haben unseren  Psychologen Dr. Rolf Daufenbach dazu veranlasst, sich näher mit diesem modernen Berufsleiden der globalen Nomaden zu beschäftigen.

Fit zum Geschäftstermin im Ausland – Was tun gegen den Jetlag ?

 

 "Das Schlimmste an dem Job ist der Jetlag," meinte kürzlich bei einem IFIM-Seminar ein  Regionalmanager, der im Jahr 8-10mal zwischen  Deutschland und Asien hin- und herfliegt. Auch Vielflieger scheinen nicht gewappnet gegen diese lästige Begleiterscheinung internationaler Mobilität, die den Betroffenen den Schlaf und die Sinne rauben. Je mehr Zeitzonen der Reisende in östlicher oder westlicher Richtung zurückzulegen hat, umso stärker trifft ihn der unangenehme Effekt. Wer also nach Australien oder gar Neuseeland muss, ist besonders übel dran. Noch Tage nach Erreichen des Reiseziels fühlt man sich matt und müde, findet aber nachts keinen Schlaf. Stehen, wie bei Geschäftsleuten üblich, kurzfristig wichtige Besprechungstermine, Präsentationen oder Verhandlungen an, kann der lästige Effekt zu einem argen Problem werden.  

Allerdings scheinen die Menschen unterschiedlich stark vom Jetlag betroffen zu sein. Während einzelne mehr als eine Woche brauchen, scheinen andere kaum mit dem lästigen Effekt zu kämpfen zu haben. Immer wieder hört man von erfolgreichen Rezepten gegen das Übel, pharmakologische Tipps mischen sich da mit vermeintlich bewährten Verhaltensratschlägen, die zuweilen mehr mit Glaubensbekenntnissen, als fundiertem Wissen zu tun haben. Mittlerweile ist das Phänomen eigentlich medizinisch unter dem Begriff "Zeitverschiebungssyndrom" recht gut erforscht und so macht es Sinn, den vielen kursierenden Mythen einige Fakten entgegen zu setzen. 

Die Ursachen
Die wichtigste Ursache für den Jetlag liegt darin, dass wir eine innere Uhr haben, die auch unabhängig von Außenreizen funktioniert. In Laborversuchen, bei denen Menschen ohne die regulierende Funktion des Tageslichts ihren eigenen Rhythmus finden müssen, hat man festgestellt, dass sich dieser meist bei etwa 25 Stunden einstellt. Beim normalen Wechsel des Tageslichts stellt sich dieser Rhythmus problemlos auf 24 Stunden ein. Durch das kurzfristige Überspringen von Zeitzonen beim Fliegen gerät dieser biologische Rhythmus aber aus dem Takt. Das wirkt sich nicht nur auf den Schlaf-Wach-Wechsel des Gehirns aus, sondern auch auf zahlreiche andere Körperfunktionen, die damit einhergehen.
 

Etwa drei Stunden Zeitverschiebung werden noch recht problemlos verkraftet, dann wird’s zunehmend schwierig. Vor allem bei Langstreckenflügen in östlicher Richtung kommt es zu Problemen, da hier die Nachtphasen extrem kurz werden. Wer abends z.B. in ein Flugzeug nach Bangkok steigt, kennt den Effekt: kaum ist die Sonne untergegangen, dämmert der nächste Tag schon wieder. In umgekehrter Richtung, also westwärts, geht’s leichter: da Tagesverlängerungen durch den natürlichen 25-Stunden-Rhythmus weniger Probleme bereiten. 

Die Symptome
Wesentliches Merkmal des Jetlag ist ein Gefühl allgemeiner Erschöpfung und Abgeschlagenheit bei Tage, während man nachts unregelmäßig schläft, häufig aufwacht oder - im schlimmsten Fall - überhaupt keinen Schlaf findet. Typisch sind auch Kopfschmerzen, sowie
eine eingeschränkte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Auch die Reaktionsgeschwindigkeit ist deutlich vermindert, weshalb sich Autofahrten mit dem Mietwagen, den man sich gleich am Zielflughafen genommen hat, nicht unbedingt empfehlen. Auch der Verdauungstrakt braucht seine Zeit, um sich auf den neuen Rhythmus einzustellen. Zu völlig ungewohnten Zeiten tritt Harn- und Stuhldrang auf, oder es stellt sich in unpassenden Momenten ein Hungergefühl ein. All diese Symptome klingen allmählich ab, als Faustregel rechnet man mit einem Tag je 2 Stunden Zeitverschiebung, so dass man bei einem Flug Frankfurt-Bangkok 3-4 Tage einplanen sollte, ehe man wieder zu einem normalen Tagesrhythmus gefunden hat. 

Wer ist anfällig für den Jetlag?
Je stärker der individuelle Tagesablauf von gleichförmigen Routinehandlungen geprägt ist, um so stärker leidet man unter dem Jetlag. Wer gewohnt ist zu sehr unterschiedlichen Zeiten ins Bett zu gehen hat auch mit dem Jetlag weniger Probleme. Man kann sich also in der Tat in eingeschränktem Maß an den Jetlag gewöhnen, wie man bei Untersuchungen von Flugpersonal festgestellt hat. Fast keine Probleme haben Babys und Kleinkinder, doch mit  zunehmendem Alter empfinden Kinder den Jetlag auch immer stärker. Besonders stark erleben ältere und wenig fitte Menschen den Jetlag.   

Gibt es keine Pille gegen den Jetlag?
Seit einigen Jahren kursieren auch immer wieder Gerüchte um eine Wunderdroge, mit der sich die Probleme des Jetlag umgehen lassen. Es handelt sich dabei vermutlich um Melatonin, ein Schlafmittel, dass in Deutschland (noch) nicht zugelassen ist, aber gleichwohl von manchen Geschäftsreisenden genommen wird. Melatonin ist eigentlich ein körpereigenes Hormon, das hauptsächlich nachts in der Zirbeldrüse gebildet wird um die biologischen Rhythmen zu koordinieren. Synthetisch hergestelltes Melatonin kann deshalb in Tablettenform zur Behandlung gestörter Schlaf-Wach-Rhythmen, wie sie beim Jetlag vorkommen, eingesetzt werden. Das Medikament macht müde und kann Benommenheit verursachen, so dass die Reaktionsfähigkeit nach der Einnahme deutlich vermindert ist. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Einnahme von Hormonpräparaten einen erheblichen Einfluss in das sensible körpereigene Hormonsystem darstellt. Weitere Effekte und Nebenwirkungen von Melatonin sind umstritten und werden derzeit in Langzeitstudien getestet. Es ist in Deutschland nicht zugelassen, aber internationale Apotheken bestellen es gegen ein Privatrezept. Der Kauf über das Internet ist problematisch, da oft wirkungslose oder gefährliche Fälschungen angeboten werden. Angesichts all dieser Risiken raten viele Ärzte von der Einnahme ab. 

Trotzdem kann man viel dafür tun, dass sich die Auswirkungen des Jetlag in Grenzen halten. Zugegeben, es ist etwas mühsamer, aber Ihr Körper wird es Ihnen danken. Nachfolgend die Tipps des IFIM in chronologischer Reihenfolge.

Tipps vor dem Abflug:

n        Schon bei Auswahl des Fluges kann man Einfluss auf seine Auswirkungen nehmen: am günstigsten sind Flüge, die am späten Nachmittag am Zielort ankommen.

n        Planen Sie bei Ihren Terminen den Jetlag möglichst mit ein. Wenn möglich sollten keine wichtigen Termine am Ankunftstag liegen.

n        Wenn Sie regelmäßig auf bestimmte Medikamente angewiesen sind oder Anti-Baby-Pillen einnehmen, sollten Sie sich vor Reisebeginn bei erwarteten Zeitverschiebungen von mehr als drei Stunden unbedingt von Ihrem Arzt beraten lassen.

n        Verschieben Sie Ihre Schlafphasen schon einige Tage vor Abflug um täglich eine Stunde: bei Flügen nach Westen gehen Sie später schlafen, bei Flügen nach Osten früher.

n        Sorgen Sie dafür, dass Sie in den Tagen vor der Abreise ausreichend Bewegung haben, und versuchen Sie, Erkältungen oder Infekte zu vermeiden. Ruhen Sie sich aus, bevor Sie in den Flieger steigen.

 

Während des Fluges:

n        Stellen Sie Ihre Uhr beim Abflug gleich auf die Zeit des Zielortes ein.

n        Entscheiden Sie sich von vorne herein, ob Sie schlafen oder durchhalten wollen: Bei der Schlafvariante kann sich der Körper anschließend ausgeruht auf den neuen Tagesverlauf einstellen. Das Durchhalteprogramm (essen, lesen, Musik, Filme... ) ist sinnvoll, wenn man am Nachmittag am Zielort ankommt und bald schlafen gehen kann, sodass man dann am nächsten Morgen schon fast im richtigen Rhythmus ist.

n        Das richtige Essen unterstützt den Anpassungsprozess: Eiweißreiche Kost (Fleisch, Eier, Milch) und Vitamine (Obst, Säfte) halten wach, machen aktiv und sollten daher zum Frühstück und Mittagessen bevorzugt werden. Kohlenhydratreiche Nahrung (Gemüse, Nudeln, Reis) hat die gegenteilige Wirkung und ist daher ideal für das Abendessen.

n        Alkohol ist eine beliebte Einschlaf- und Entspannungshilfe, hat aber leider Jetlag-verstärkende Wirkungen. Daher lieber weglassen (sorry)!

n        Das gleiche gilt übrigens für Schlaftabletten. Empfehlenswert sind allenfalls leichte Beruhigungsmittel auf pflanzlicher Basis. Das Thema "Melatonin" wurde oben schon behandelt.

n        Auch von den Muntermachern Kaffee und Tee ist abzuraten, der aufputschende Effekt des Koffeins ist schnell weg, aber der Körper hat Abbauarbeit zu leisten. Stattdessen sollten Sie sehr viel Mineralwasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch die Klimaanlage des Flugzeugs auszugleichen.

n        Rauchen, wenn's denn überhaupt gestattet ist, verstärkt den Jetlag-Effekt. Daher am besten drauf verzichten.

 

Nach der Ankunft:

n        Versuchen Sie gleich, sich dem Rhythmus Ihres Ziellandes anzupassen. Auch wenn Ihnen tagsüber die Augen fast zufallen, halten Sie durch und versuchen Sie in den ersten Tagen nicht zwischendurch zu schlafen.

n        Auch nach dem Flug gilt: möglichst keine Schlaf- oder Aufputschmittel nehmen, der Jetlag verlängert sich dadurch nur! Richtige Ernährung mildert dagegen die Beschwerden nachhaltig, daher morgens viel Eiweiß und Vitamine, abends Kohlehydrate (s.o.).

n        Halten Sie sich möglichst viel im Freien auf. Das Licht hilft dem Körper bei der Einstellung auf den neuen Tagesrhythmus. Vermeiden sie dabei aber körperliche Anstrengungen. Spazieren gehen und leichte Gymnastik zur Kreislaufanregung ist jedoch sehr empfehlenswert.

n        Rechnen Sie nicht ständig nach, wie spät es zu Hause ist.

n        Da Ihnen der Jetlag auf der Rückreise wieder droht, planen sie wie oben beschrieben.

  

Für weitergehende Fragen:

n        Deutsche Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin e. V.,  Kirchdorf:
Tel. 08166/67 89-30  www.drtm.de 

n        Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf: Tel 0211/904 290 www.crm.de

n        Oder direkt im Internet unter: www.travelmed.de

 

Buchtipps
Krebs, Charles T., Fliegen ohne Jetlag - Selbsthilfe bei Problemen mit der Zeitverschiebung.
VAK Verlags GmbH, 1999

Wunnicke, Christine, Jetlag. Knaus-Verlag,  2000

Hilgers, Arnold; Hofmann, Inge: Melatonin - die Pille für Gesundheit und ewige Jugend? Eine kritische Betrachtung über Nutzen und Risiken. Mosaik, 1996


Trendwende in Singapur? – Biotechnologie als Rettungsanker

 (25.07.2002)

Im letzten Herbst suchte Rolf Daufenbach, der Südostasienexperte des IFIM, deutsche Führungskräfte in Südostasien auf, um sich mit ihnen über ihre Situation zu unterhalten. In Singapur erhielt er ein ambivalentes Bild: zwar lobten sich die deutschen Expatriates die infrastrukturellen Rahmenbedingungen und die Professionalität der asiatischen Metropole, wirtschaftlich aber beurteilten sie die Aussichten recht düster, was sich für sie in einer teilweise sehr angespannten Arbeitsatmosphäre auswirkte (siehe Bericht: "Malaysia-Singapore 2001 - Eine aktuelle Bestandsaufnahme bei deutschen Führungskräften vor Ort".).

Zahlreiche Entlassungen vor allem in der Elektro- und Bauindustrie oder gar ganze Firmenschließungen während der letzten Monate bestätigten diese Einschätzung. So zeichnete sich in den letzten Monaten immer deutlicher ab, dass Singapur derzeit unter der stärksten Rezession seit zwanzig Jahren leidet. Renommierte internationale Beobachter, wie das schweizerische Institute for Management Development (IMD) diagnostizieren ein Nachlassen der Wettbewerbsfähigkeit des Inselstaates: im kürzlich veröffentlichten "World Competitiveness Ranking 2002" musste das erfolgsverwöhnte Singapur drei europäischen Ländern Platz machen und rutschte vom 2. auf den 5. Platz ab.  

Wer das Land und seine Regierung kennt, weiß dass man dort nicht lamentiert, sondern handelt. Seit Jahren war klar, dass ein ausschließliches Fokussieren auf die Entwicklung der Hi-Techindustrien auf die Dauer fatale Folgen haben würde. Von daher setzte man auf eine Förderung und Ausweitung wissensbasierter Industrien ("K-industries"). Paradepferd ist hier die Biotechnologie. Unter dem Projektnamen "Biopolis" investiert man derzeit im Singapurer Stadtteil Buena Vista über $300 Millionen. Dort soll auf knapp 200 Hektar Land ein Forschungspark mit 4000 Arbeitsplätzen für höchstqualifizierte Mitarbeiter entstehen. Das Projekt wird von der Regierung großzügig gefördert, denn man sieht in der Biotechnologie den wichtigsten Rettungsanker aus der Krise. Sicherlich trugen eine im Vergleich zu Europa wesentlich liberalere Gesetzgebung und auch das Fehlen von ethischen Diskussionen  in der Öffentlichkeit dazu bei, hochkarätige Firmen auf diesem Gebiet anzulocken. So gelang es kürzlich die Firma ES Cell International des Dolly-Kloners Alan Coleman für Biopolis zu gewinnen, aber auch deutsche Firmen wie die Berliner Co.don AG sind mit dabei. Das Flagschiff aber ist das Genom Institut Singapur, für das man bisher knapp 100 renommierte Wissenschaftler und Manager aus aller Welt zur Mitarbeit gewinnen konnte, im Endstadium sollen es etwa 250 sein. Die Verpflichtung des bekannten MIT-Biologen Robert Weinberg für den Vorsitz des wissenschaftlichen Beirates zeugt von der Ambitioniertheit des Projektes. Ausdrückliches Ziel ist aber auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses aus Südostasien. Darüber hinaus verspricht man sich durch Biopolis auch zahlungskräftige Kunden aus dem asiatischen Raum anzulocken, denn natürlich ist insbesondere der Bereich der medizinischen Forschung für viele Patienten, die an schwer- oder bisher nicht therapierbaren Krankheiten leiden, ein wichtiges Hoffnungspotential. Eine deutliches Zeichen der Trendwende und eine Ankurbelung der Geschäftssituation erhofft man sich auch durch die im Herbst stattfindenden  Messen BioMedical Asia und BioTechnica Asia, die Singapur durch die deutschen Messe AG und die Hannover Messe durchführen lässt.  

Ob sich die Hoffungen der Regierung und der beteiligten Firmen erfüllen werden, muss abgewartet werden. Jedenfalls bleibt es spannend, die ökonomische Entwicklung Singapurs in den nächsten Jahren zu beobachten. Sicher ist, dass sowohl die ökonomische Krise als auch die möglichen Wege daraus die Expatriates vor Ort auch weiterhin unter großen Erfolgsdruck stellen und ihnen ein Höchstmass an Anpassungsbereitschaft an die skizzierten Veränderungen abverlangen werden. Zur Vorbereitung auf derartige Aufgaben bietet das IFIM seit Jahren Seminare für die Region Südostasien  an, auf die renommierte Firmen aus der Old Economy, schon seit Jahren vertrauen. Aber auch kleinere Firmen aus den Feldern der New Economies arbeiten zunehmend mit dem IFIM zusammen, um sich in schwierigen kulturellen und wirtschaftlichen Umfeldern Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Siehe auch: "Südostasien - vor einem neuen Aufschwung?"


Südostasien – Vor einem neuen Aufschwung ?

( 26.07.2002)

Für zwei Jahrzehnte waren die Länder Südostasiens die Lieblinge von Wirtschaft und Medien. Traumhafte Wachstumsraten, gestützt von ausländischen Direktinvestitionen vor allem in den Hi-Techbranchen bescherten Indonesien, Thailand, Malaysia und Singapur Vollbeschäftigung, Wohlstand und den Herrschern sichere Wiederwahlen. Flugs taufte man diese Staaten die "kleinen Tiger", weil sie dem großen Tiger Japan in ihrer ökonomischen Vitalität kaum nachstanden. In Zuge dieses östlichen Wirtschaftswunders wuchsen zwar nicht die Bäume, aber so manches Bürogebäude und sicherlich viele Gehälter in den Himmel. Der Fall kam Ende 1997, als mit der Asienkrise die ambitionierten Träume platzten wie Seifenblasen. Politiker wie der übermächtige Suharto wurden gestürzt, Manager reihenweise entlassen, verzweifelte Banker stürzten sich aus den imposanten Bürotürmen und so mancher Fabrikarbeiter war froh, dass die Erde in diesem Teil der Welt so fruchtbar ist. Egal ob Staatsbudget, Firmenliquidität oder privater Haushalt – allenthalben wurden die Gürtel enger geschnallt und die Ausgaben gestreckt.

Auch deutsche Firmen, die sich in den Wonnejahren zahlreich dort angesiedelt hatten, waren massiv betroffen. Als Rolf Daufenbach, der Südostasienexperte des IFIM, im letzten Jahr dort mit Fach- und Führungskräften sprach, zeichneten diese ein düsteres Bild, nachzulesen in seinem Bericht "Malaysia-Singapore 2001 - Eine aktuelle Bestandsaufnahme bei deutschen Führungskräften vor Ort". So manch einer war zum Krisenmanager mutiert, eine Aufgabe mit der man bei der Ausreise nicht gerechnet hatte. Man fühlte sich schlecht vorbereitet darauf, massive Gehalts- und Prämienkürzungen durchzusetzen oder gar Entlassungen und Firmenverlagerungen im großen Stil durchzuführen. 

Ein knappes Jahr später scheint die Talsohle durchschritten, zumindest in Singapur und Malaysia. Der Inselstaat arbeitet kräftig am Strukturwandel vom Produktions- und Logistikstandort zum Zentrum für "Knowledge"-Industrien, allen voran der Biotechnologie, worüber wir ausführlich in den IFIM-News "Tendwende in Singapur?" berichten. Und auch Malaysia, dessen für unkonventionelle Maßnahmen bekannte Regierung sich den Diätrezepten des IWF widersetzt hatte, scheint wieder zu boomen: man schätzt, dass im letzten halben Jahr wieder 2-3 Milliarden Dollar an Auslandsinvestitionen in das Land flossen, die Börse in Kuala Lumpur legte seit November 2001 um 25% zu.  

Auch langjährige IFIM-Kunden zeigen vorsichtigen Optimismus: BMW gab beispielsweise gerade die Gründung einer eigenen Vertriebsgesellschaft bekannt und Siemens fährt das Engagement langsam wieder hoch. Auch bei unsern Seminarbuchungen sind die Auswirkungen spürbar: beim nächsten Südostasienseminar sind nur noch wenige Plätze frei. Ist die Asienkrise also vorbei? Zumindest vorsichtiges Hoffen scheint wieder erlaubt!


Interkulturelle Trainings für chinesische Privatunternehmer

 (12.08.2002)

Nun zum 5. Mal beteiligte IFIM sich in Kooperation mit Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in China an der Mitgestaltung und Durchführung zweier Workshops für chinesischen Privatunternehmer. Die Workshops fanden im Rahmen des Partnerschaftsprojektes zwischen DIHK und der ALL CHINA FEDERATION OF INDUSTRY AND COMMERCE (ACFIC) statt und wurden in dem Zeitraum vom 20.07. - 26. 07. 2002 in den Städten Dandong (Provinz Liaoning) und Jinan (Provinz Shandong) durchgeführt. Auf den Workshops wurden vielfältigen Themen zur Deutsch-Chinesisch-Unternehmenskooperationen abgehandelt.

Ming Zhong, der für China zuständiger Trainer des IFIM, hielt auf beiden Veranstaltungen einen Vortag zur interkulturellen Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Chinesen und führte dann mit chinesischen Unternehmern Rollenspielübungen unter Beteiligung deutschen Rollenspieler durch.
Dabei ging es vor allem darum, am Auftreten der chinesischen Manager bei Firmen- und Produktpräsentationen etwa im ersten Kontakt mit deutschen Geschäftsleuten zu feilen. Unter starker, durchaus auch emotionaler Beteiligung wurde an Fallstudien gearbeitet und in Rollenspielen die Umsetzung erarbeiteter Strategien erprobt, eine Methodik, die obwohl den meisten der Teilnehmer neu großen Anklang fand und als besonders wichtige Erfahrung des Workshops gelobt wurde.

Spannend auch für Ming Zhong, der ansonsten meist deutschen Managern den Umgang mit ihren chinesischen Partnern vermittelt, wie spiegelbildlich und zugleich gegensätzlich viele Probleme der Zusammenarbeit wahrgenommen werden. Die sehr unterschiedlichen Kommunikationsmuster beider Seiten wurden bei einem der Rollenspiele sehr deutlich: Am Ende waren beide Seite frustriert und die chinesische Geschäftsfrau kam mit dem deutschen Geschäftsmann nicht zusammen. Noch schlimmer war: die chinesische Geschäftsfrau war bereits deutschlanderfahren und ähnliche wie die simulierte Situation hatte sie schon mehrfach erlebt. Nur hatte sie es sich bislang nicht erklären können, warum diese immer wieder gescheitert war!
Flexibilität im Geschäftsgebaren und das deutsche Streben nach Klarheit, Eindeutigkeit, Widerspruchsfreiheit und Geregeltheit sind nur äußerst schwer zusammenzubringen. Was chinesische Manager als Chance begreifen, nämlich fehlende oder unklare Regeln, das Arbeiten in "Grauzonen", nehmen Deutsche dies fast immer primär als Risiko wahr, das es zu vermeiden gilt. Während chinesische Unternehmer es als eine ihrer größten Stärken ansehen, möglichst flexibel auch auf völlig neue Anforderungen einzugehen, weckt dies bei ihren deutschen Partnern eher Misstrauen und Zweifel an der Seriosität. So wird es auch für chinesische Manager alles andere als einfach, geeignete Strategien und Argumente zu finden, deutsche Geschäftspartner von ihrem Produkt und dessen Qualität ebenso wie von ihrer Seriosität und Verlässlichkeit als Geschäftspartner zu überzeugen.

"Das Wissen um internationale Spielregeln ist selbstverständlich enorm wichtig; aber eben so wichtig ist die Fähigkeit, im internationalen Umfeld auch souverän handeln zu können. Also brauchen die chinesischen Unternehmenslenker nicht weniger interkulturelle Kompetenz, als ihre deutschen Kollegen," so Ming Zhong. Es war erfreulich festzustellen, dass auch chinesische Unternehmer inzwischen die Relevanz interkultureller Kompetenz zunehmend entdecken.


Öko-Taxen aus Asien

Den deutschen Expatriates und Geschäftsleuten in Asien sind sie meist ein liebgewonnener Anblick, manchen gar ein probates Beförderungsmittel: die Rikschas. Schätzungsweise vier Millionen 'Öko-Taxen' werden in Asien betrieben, Rikschas, die in den Ländern Süd-, Südost- und Ostasiens einen wichtigen Beitrag zum ökologisch vertretbaren Individualverkehr leisten. Doch die von Muskelkraft betriebenen Verkehrsmittel haben in vielen Ländern einen zunehmend schweren Stand und sollen in etlichen Städten sogar verboten werden. 

Das Asienhaus Essen hat diese Entwicklungen zum Anlass genommen, dieses typische asiatische Phänomen der deutschen Öffentlichkeit in einer Ausstellung näher zu bringen. Dem Betrachter wird die Bedeutung für den Verkehr und zahlreiche Facetten des Lebens mit der Rikscha anschaulich gemacht. Neben fantastischen Fotos werden Fahrrad-Rikschas aus Bangladesh, Indien, Indonesien, Burma, Vietnam und Malaysia sowie eine "high-tech" Rikscha der Firma Velo-Taxi in Berlin präsentiert. Einige Fotos kann man sich im Internet anschauen, wo man auch die Termine für die Ausstellung findet, die in Würzburg, Bochum und Bonn gezeigt wird.

http://www.asienhaus.de/rikscha/index.htm -- Leider nicht mehr Online!

 


Wichtige Kundeninformation - Auslandsvorbereitungseminare 2003 dauern 3,5 Tage

 (30. Sept. 2002)

IFIM entwickelt seine offenen Auslandsvorbereitungsseminare inhaltlich und methodisch kontinuierlich weiter. Es hat unzählige Aktualisierungen in den bestehenden Programmen gegeben, seit wir im Jahr 1991 diesen Trainingstyp erstmals angeboten haben, und auch einige grundlegende Verbesserungen, die für jeden Kunden augenfällig wurden, vor allem bez. der regionalen Differenzierung. Aber an einem haben wir - trotz kritischer Anfragen von Kunden und erst recht von potentiellen Kunden - in all den Jahren keine Veränderung vorgenommen: An der Dauer unserer Seminare!

 Ab Januar 2003 werden wir unsere offenen Auslandsvorbereitungsseminare auf dreieinhalb Tage straffen. Sie dauern dann jeweils von Montag 08:30 bis Donnerstag 13:00 Uhr.

Durch den früheren Beginn am Montag 'verlieren' wir effektiv 3 Doppelstunden. Dieser Zeitraum lässt sich durch didaktische Anpassungen einsparen, ohne dass wesentliche Inhalte oder die bewährte Contrast-Culture-Methode aufgegeben werden müssten. Der Kurs wird zwar damit noch intensiver und natürlich auch anstrengender, aber wir glauben, innerhalb vertretbarer Grenzen.

Für unsere Teilnehmer/innen, bedeuten die neuen Kurszeiten, dass sie nunmehr am Donnerstag (statt Freitag) noch zu vertretbaren Zeiten nach Hause kommen können (nicht unwichtig für alle, die Kinder haben) und am Freitag einen Arbeitstag gewinnen. Wir sind überzeugt, dass es für unsere Kunden in den Auslandspersonalabteilungen hierdurch leichter als bisher wird, für das Training zu werben.

 Denn seit Jahren steht 'Zeitdruck vor der Ausreise' ganz oben, wenn man nach Gründen fragt, weshalb Vorbereitung insgesamt oder auch interkulturelle Vorbereitung so oft zu kurz kommt. Und dieser Zeitdruck hat -entgegen unserer Hoffnung- eher zugenommen. Auch Auslandspersonalabteilungen, die von der viereinhalbtägigen Vorbereitung überzeugt sind, sahen sich immer seltener in der Lage, sie ihren Mitarbeitern auch zu ermöglichen. 

Wir haben die Verkürzung aber noch aus einem anderen Grund vorgenommen: Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 wurden in vielen Unternehmen Auslandsentsendungen erst einmal völlig gestoppt oder wesentlich reduziert.

In der Folge fielen bei fast allen Auslandsvorbereitungsseminaren die Teilnehmerzahlen unter eine kostendeckende Mindestzahl und mussten daher abgesagt werden.

Für 2002 haben wir deshalb das Modell der 'Verkürzung bei kleinen Gruppen' eingeführt, um Ausreisenden auch dann eine Vorbereitung anbieten zu können, wenn sich nur wenige Teilnehmer für den entsprechenden Kurs angemeldet hatten. Dies führte tatsächlich dazu, dass die meisten Veranstaltungen stattfinden konnten. Insofern hat sich unser flexibles Vorgehen auch bewährt. Aber es hatte - wie unsere regelmäßigen Kunden gemerkt haben - auch deutliche Nachteile:

 Da wir großen Wert darauf legen, dass unsere Kunden und Teilnehmer uns weiterhin als verlässlichen Partner erleben, wollen wir das "flexible Modell" nicht weiterführen. Mit der neuen Zeitstruktur werden IFIM-Auslandsvorbereitungsseminare künftig einheitlich dreieinhalb Tage dauern, sofern bei Anmeldeschluss mindestens 6 Teilnehmer angemeldet sind. Die erforderliche Mindestteilnehmerzahl kann hierdurch also spürbar gesenkt werden, ohne dass wir die Preise massiv anheben müssten. Die Preise für die Auslandsvorbereitung bleiben also 2003 unverändert. Reichen die Anmeldungen in Einzelfällen nicht aus, werden wir ein Ersatzangebot unterbreiten.

Wir sind zuversichtlich, dass wir es Ihnen durch unsere Veränderung erleichtern, angehende Auslandsmitarbeiter für eine interkulturelle Auslandsvorbereitung zu motivieren und hoffen auf weiterhin gute Zusammenarbeit.

Wenn Sie weitere Fragen zur 'IFIM-Auslandsvorbereitung' haben, rufen Sie uns bitte an: Tel: (022 24)  94 95-0 oder nutzen Sie unseren Call-Back-Service.

PS: Unsere 12-monatige "Geld-zurück-Garantie" gilt selbstverständlich uneingeschränkt auch 2003!


Auslandsmitarbeiter: Sorgen wegen Sorgerecht?

Der Fall:

Der angehende Auslandsmanager in Singapur ist seit drei Jahren geschieden. Sein siebenjähriger Sohn lebt bei der Ex-Frau, es besteht jedoch gemeinsames Sorgerecht. Da es in letzter Zeit zwischen den Eltern häufiger Streit um Erziehungsfragen gegeben hat, möchte die Frau das alleinige Sorgerecht. Sie behauptet, wenn der Vater in Singapur lebe, könne er seinen Umgangspflichten nicht nachkommen, weshalb sie nun beantragen werde, ihr das alleinige Sorgerecht zuzusprechen.

Zur Rechtslage:

Zu unterscheiden sind das Sorgerecht (§§ 1666 ff, BGB), das Umgangsrecht / die Umgangspflicht (§1684 BGB) und das Auskunftsrecht (§1686 BGB).

In § 1684 heißt es: "Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt."

Es gibt also nicht nur ein Recht des Vaters auf Umgang mit seinem bei der Geschiedenen lebenden Kindes, das dann ggf. in entsprechenden Umgangsregelungen festgeschrieben wird, sondern auch ein Recht des Kindes auf Umgang mit dem Vater.

Das Sorgerecht kann zwar gerichtlich (auf Antrag auf Zuweisung der Alleinsorge des anderen Elternteils) entzogen werden, aber dafür müssen schwerwiegende Gründe vorgebracht werden, wie Kindeswohlgefährdung etc. Unter die schwerwiegenden Gründe fällt auch mangelnde Erreichbarkeit. Der Sorgeberechtigte muss nicht jederzeit erreichbar sein, aber doch zeitnah, damit Entscheidungen in Fragen die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind, nicht unangemessen lange auf sich warten lassen.

Zeitnahe 'Erreichbarkeit' lässt sich auch in Singapur sicherstellen. Doch kann ein Vater in Singapur seinem Siebenjährigen gegenüber seiner Umgangspflicht nachkommen?

Im Prinzip ja: Familiengerichte halten es nicht für notwendig, dass sich Eltern und Kinder vierzehntägig oder monatlich sehen. Telefonische Kontakte oder je nach Alter der Kinder Fax, E-Mail, 'Netmeeting' etc. können die Zeit bis zum nächsten Besuch überbrücken helfen.

Wenn allerdings die 'Umgangsregeln' gerichtlich festgelegt wurden und der andere Elternteil auf Einhaltung besteht, bedarf es der Anpassung der gerichtlichen Festlegungen an die veränderten Gegebenheiten unter Beachtung der berechtigten Wünsche der Beteiligten. Um dies zu erreichen, muss ein Antrag auf kurzfristige Neuregelung der Umgangsregeln beim Familiengericht gestellt werden. Letztlich müsste dann der Familienrichter im Rahmen des wohlverstandenen Interesses des Kindes die Zumutbarkeit von an den Auslandsaufenthalt angepassten Umgangsregelungen bewerten. Da auch in eiligen Fällen der andere Elternteil um Stellungnahme gebeten wird und zunächst eine gütliche Einigung herbeigeführt werden soll, kann die Zeit vor einer Ausreise für die gerichtliche Neuregelung sehr knapp werden.

Geschiedenen Ausreisenden, bei denen ein gemeinsames Sorgerecht für Kinder besteht, sollten also frühzeitig mit ihrem Ex-Partner und – wenn sich eine gütliche Einigung nicht erzielen lässt – dem Jugendamt und / oder dem zuständigen Familiengericht Kontakt aufnehmen, damit deutlich wird, dass sich der ausreisende Elternteil ernsthaft darum bemüht, seiner Umgangpflicht auch nach dem Umzug nachzukommen.

Wir danken dem Jugendamt Bonn für diese Rechtsauskunft.



Copyright © 2002  IFIM. Nachdruck erwünscht - Belegexemplar erbeten.